Jörg Schönbohm, früherer Berliner Innensenator und ehemaliger Innenminister von Brandenburg, ist tot. Der langjährige CDU-Politiker starb in der Nacht zum Freitag im Alter von 81 Jahren. Das teilte die Brandenburger CDU mit.

"Mit großer Bestürzung hat uns die traurige Nachricht vom Tode unseres Ehrenvorsitzenden, Jörg Schönbohm, erreicht", heißt es in der Mitteilung. "Seine Verdienste als Bundeswehrgeneral um die deutsche Einheit und als Politiker um das Land Brandenburg machen ihn als einen der großen Deutschen der Nachkriegsgeschichte unvergessen." Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte Schönbohm als "großen Patrioten im besten Sinne". Er habe sich "große Verdienste um die deutsche Einheit erworben" und "als Brandenburger Innenminister verlässliche Regierungspolitik verantwortet". Dabei habe sich Schönbohm "nie davor gescheut, auch unbequeme Wege zu gehen".

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) teilte mit, Schönbohm habe in "preußischem Sinne für Verlässlichkeit, Pflichterfüllung und Disziplin" gestanden. Ihm sei es in seiner Amtszeit als Innenminister gelungen, den Rechtsextremismus in Brandenburg deutlich zu schwächen. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer würdigte Schönbohm als "beeindruckende und streitbare Persönlichkeit".

Schönbohm wurde 1937 in Neu Golm in Brandenburg geboren. Er machte in Kassel Abitur und durchlief danach die Offiziersausbildung in der Artillerietruppe der Bundeswehr. Später absolvierte er die Generalstabsausbildung. 1973 ging er als Generalstabsoffizier ins Nato-Hauptquartier in den Niederlanden.

Als Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost in Strausberg, Brandenburg, war Schönbohm nach der deutschen Wiedervereinigung für die Auflösung der 90.000 Mann starken Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR zuständig. Auch die Integration von 3.000 ehemaligen NVA-Offizieren in die Bundeswehr fiel in seinen Aufgabenbereich.

1991 wurde Schönbohm zum Heeresinspekteur der Bundeswehr ernannt. 1992 wechselte er als beamteter Staatssekretär unter Gerhard Stoltenberg ins Bundesverteidigungsministerium. Erst 1994 trat er der CDU bei. 1996 wurde er Innensenator in Berlin und war politisch verantwortlich für die Abschiebung von 74 bosnischen Geflüchteten im Juli 1998 sowie die Räumung mehrerer besetzter Häuser.

Im November 1998 legte Schönbohm sein Amt als Innensenator nieder, um erfolgreich für den Vorsitz des Brandenburger CDU-Landesverbands zu kandidieren. Das Amt des Landesvorsitzenden hatte er von 1999 bis 2007 inne. In einer großen Koalition aus SPD und CDU wurde Schönbohm 1999 brandenburgischer Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident. Nach einer zweiten Amtszeit schied er im November 2009 aus der Landespolitik aus.

Schönbohm galt als konservativer CDU-Politiker und Verfechter einer sogenannten deutschen Leitkultur. Von 1998 bis 2007 war er Parteivorsitzender der Brandenburger CDU. Unter Verweis auf unüberbrückbare Differenzen mit ihm hatte die damalige Sozialministerin Regine Hildebrandt (SPD) die Landesregierung verlassen.