Vergangene Woche verschickte die sächsische AfD eine Pressemitteilung. Darin kommentiert Carsten Hütter, Fraktionsvize und sicherheitspolitischer Sprecher, mit scharfen Worten Brandanschläge auf Autos und Angriffe auf AfD-Parteibüros. Einige dieser Taten sind noch nicht aufgeklärt, doch der Politiker vermutet "linke Chaoten" als Täter. Hütters Bilanz: "Der linke Terror in Sachsen wird immer heftiger."

In Sachsen beginnt langsam der Wahlkampf, die Rhetorik verschärft sich. Die AfD erwartet bei der Landtagswahl im Herbst Erfolge. Umfragen sehen die Partei in Sachsen derzeit bei 25 Prozent – vier Prozentpunkte hinter der CDU.

Am gleichen Tag, an dem seine Pressemitteilung die Runde macht, sitzt Carsten Hütter in seinem Landtagsbüro und erzählt von einem Plan. Er will gegen Extremismus vorgehen, und zwar mit einem Verein. Der heißt Exfreisa, das Kürzel steht für: Extremismusfreies Sachsen. Das Logo zeigt eine Friedenstaube, aber solche Details sind vielen noch nicht bekannt. Der Verein arbeitet bisher vor allem im Hintergrund, derzeit baut man Strukturen auf. Inzwischen gibt es ein Büro in Dresden, eine Internetseite, einen kleinen Kreis von Mitgliedern und Spendern – und ein Konzept. Oberstes Ziel: Der Verein Exfreisa will sich in Sachsen um politische Bildung kümmern.

"Bildungs- und Aufklärungsarbeit"

Es gehe darum, "Bildungs- und Aufklärungsarbeit an Jugendeinrichtungen, Schulen und Hochschulen" zu betreiben, außerdem Konferenzen und Diskussionen zu organisieren. Die Schwerpunkte, wie man über Extremismus aufklären will, setzt der Verein in dieser Reihenfolge: Er richtet sich "gegen jegliche Form von Extremismus, insbesondere von religiösem Extremismus, Linksextremismus, Rechtsextremismus und ideologischem Ausländerextremismus". Auf der Webseite steht eine erste Präsentation, offenbar noch nicht orthografisch korrigiert, dort heißt es: "Um der Agitation von Extremisten den Boden zu entziehen, ist es einerseits unser Ziel sie als solche zu benennen und für breitete Teile der Gesellschaft erkennbar zu machen. Andererseits ist es uns ein Anliegen Menschen zu befähigen politisch zu denken, Sachverhalte zu reflektieren und geeignete Ausdrucksformen zu finden."

Hütter, 54 Jahre alt, gebürtiger Westfale, früher Mechaniker und Unternehmer, seit 2014 AfD-Landtagsabgeordneter, gab den Anstoß. Der Exfreisa-Verein ist seine Idee, er betrachtet ihn als "Pendant". "Wir haben eine sehr große Vereinslandschaft gegen rechts", erklärt er. Ihm sei aufgefallen, dass "diese Vereine und Stiftungen teilweise auch in Schulen aktiv werden" und "dass es in den Bereichen religiöser Extremismus und Linksextremismus nichts gibt". Man kann ihn so verstehen: Hütter will für Ausgleich sorgen.

Sichtbar ist bisher nur ein Vereinsprojekt: die Schülerzeitung Jugend spricht aus Weißwasser, einer Kleinstadt in der Lausitz. Gegründet wurde das Heft im vergangenen Jahr von einer Gruppe 16-Jähriger, die Schüler am städtischen Gymnasium sind. Von der Schulleitung wird das Magazin nicht unterstützt, sie distanziert sich davon. Am Weißwasseraner Gymnasium ist das Heft nicht willkommen. Die Schulleiterin reagiert ein wenig unwirsch, am Telefon auf die Zeitung angesprochen: "Ich habe nur eine Ausgabe gesehen. Das ist eine Eigeninitiative der jungen Leute. Wenn die Zeitung nicht politisch neutral ist, hat sie in der Schule nichts zu suchen."

Stattdessen haben die Teenager woanders Hilfe gefunden: bei Exfreisa. Gerade wird an der Ausgabe 2/2019 gearbeitet. Auflage: jeweils bis zu 2.500 Stück. Es geht in dem Heft auch um dem üblichen Schülerzeitungsstoff, um Fußballvereine, Computerspiele, Dorffeste. Auf den meisten Seiten aber werden politische Themen verhandelt.

Es gibt Texte, die vor der eigenen Haustür spielen: Weißwasser liegt mitten im Braunkohlerevier, viele Jobs hängen an der Industrie. Die Autoren sorgen sich um die Zukunft ihrer Region, wenn irgendwann der Ausstieg aus der Kohle kommt. Ein paar Seiten weiter geht es um Migration und Dieselfahrverbote, Militäroperationen in Afghanistan und Sanktionen gegen Russland. Einige Texte sind im AfD-Duktus verfasst, etwa eine Analyse des Migrationspakts in der Januar-Ausgabe. Der Autor sieht den Pakt kritisch und schreibt unter anderem: "Deutschland wird durch Millionen Einwanderer seine Kultur, seine Wirtschaft, seinen Staat abschaffen, sodass wir selbst zu Auswanderern werden. Doch so etwas zu behaupten, ist ja menschenverachtend und falsch, weil es nicht in das System der wirklich Mächtigen passt."