Die Führung der AfD-Fraktion hat die Verwendung des von Rechtsextremisten genutzten Begriffs Bombenterror beim Gedenken an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg verteidigt. Bombardements gegen die Zivilbevölkerung "sind grundsätzlich Terrorakte", sagte Fraktionsvize Tino Chrupalla und verwies auch auf die Angriffe deutscher Truppen auf Rotterdam, Coventry oder London. Vertreter der Partei hatten an einem der zentralen Gedenkorte in Dresden einen Kranz mit der Aufschrift "Den zivilen Opfern des Alliierten Bombenterrors In stillem Gedenken – AfD Bundestagsfraktion" abgelegt.

Seine Wurzel hat der Begriff Bombenterror einerseits in der Propaganda der DDR, die den angloamerikanischen Angriff nutzte, um ihr Feindbild vom aggressiven Westen zu festigen. Auch von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels oder dem Holocaustleugner David Irving ist die Einordnung des Bombardements als Terror überliefert. Heute wird der Begriff von rechtsextremen Gruppen im Zusammenhang mit dem Gedenken der Opfer von Dresden genutzt, darunter von der Partei Der Dritte Weg oder der NPD

Der Begriff Bombenterror findet sich nur auf der Kranzschleife der AfD. In einer Mitteilung und auf Facebook gebrauchte die AfD das Wort Bombenkrieg. Aus Kreisen der Fraktion war zu hören, die Formulierung des Schleifenaufdrucks sei nicht mit der Fraktion abgestimmt worden.  

Fraktionsvize Chrupalla sagte weiter, es habe 1945 auch keine militärische Notwendigkeit gegeben, "gegen die Dresdner Zivilbevölkerung vorzugehen". Dresden sei damals Flüchtlings- und Lazarettstadt gewesen. Er verwies auf den Historiker Frederick Taylor, dem zufolge die Dresdner Industrie "nachweislich nicht das Ziel" der Bomben war

Über Nacht wurden die Kranzschleifen nach Informationen von ZEIT ONLINE von bislang Unbekannten entwendet. Die AfD will sie im Laufe des Nachmittags durch nachgedruckte Schleifen ersetzen.  

Chrupallas ostdeutscher AfD-Landesverband ist auch von der nationalistischen AfD-Gruppe Der Flügel geprägt. Landeschef Jörg Urban ist zudem in einem Dossier des Bundesverfassungsschutzes erwähnt, auf dessen Grundlage die Behörde bekannt gegeben hatte, dass sie derzeit prüft, ob sie die AfD zum Beobachtungsobjekt macht. Die AfD geht dagegen juristisch vor. In Umfragen zur Landtagswahl im September liegt die AfD kurz hinter der regierenden CDU. Chrupalla hatte zur Bundestagswahl 2017 in Görlitz eines von drei Direktmandaten der Partei errungen und den heutigen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer so um sein Bundestagsmandat gebracht. Er wird in seiner Partei als Kandidat für das Ministerpräsidentenamt gehandelt. Eine förmliche Nominierung steht noch aus.