Der für 2038 geplante Kohleausstieg stößt in der Union zunehmend auf Skepsis. "Wir überfordern die Steuerzahler, helfen dem Klima nicht wirklich und laufen Gefahr, schon bald vom Ausland abhängig zu sein", sagte der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von CDU und CSU, Carsten Linnemann, der Bild am Sonntag.

Auch Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus schließt nicht aus, dass sich der Kohleausstieg noch um ein paar Jahre verzögern könnte. "Es gibt einen breiten gesellschaftlichen Konsens, dass im Bereich Klima etwas getan werden muss", sagte Brinkhaus der Welt am Sonntag. Ihm zufolge müsse aber auch die Energieversorgungssicherheit garantiert sein. "Wenn sie in Gefahr ist, dann sollten wir uns im politischen Prozess auch die Freiheit nehmen, noch einmal eine Ehrenrunde zu drehen und das zu klären, ohne aber den eingeschlagenen Weg zu verlassen. Ein Dogmatismus in dieser Frage ist jedenfalls nicht angebracht", sagte der Fraktionsvorsitzende.

Die von der Regierung eingesetzte Kohlekommission hatte sich nach langen Verhandlungen darauf geeinigt, dass Deutschland bis spätestens 2038 aus der Kohleverstromung aussteigen soll. Dann soll das letzte Kraftwerk abgestellt werden. Wenn Stromversorgung und wirtschaftliche Lage es hergeben, kann das Ausstiegsdatum im Einvernehmen mit den Betreibern auch auf 2035 vorgezogen werden – dies soll 2032 überprüft werden. Laut dem Konzept der Kommission sollen die Kraftwerkskapazitäten ab 2022 schrittweise abgebaut werden.

Den Wegfall der Arbeitsplätze in den Kohlerevieren soll der Bund mit 40 Milliarden Euro abfedern. Um den erwarteten Strompreisanstieg abzudämpfen, sollen ab 2023 jährlich etwa zwei Milliarden Euro an Unternehmen und Privathaushalte fließen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat angedeutet, dass die Bundesregierung den Empfehlungen der Kohlekommission folgen dürfte.

Brinkhaus kündigte an, den Bericht der Kommission im parlamentarischen Verfahren sehr genau zu prüfen.