Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat das Agieren der USA im Streit um die neue deutsch-russische Erdgastrasse durch die Ostsee, Nord Stream 2, kritisiert. US-Botschafter Richard Grenell hatte beteiligten deutschen Unternehmen mit Sanktionen gedroht. Das sei nicht der beste Umgang zwischen Partnern und Freunden, sagte Kramp-Karrenbauer der Zeitschrift Internationale Politik.

"Die USA haben eigene wirtschaftliche Interessen, was legitim ist", sagte die CDU-Chefin. "Und sie haben Sorge, dass sich Deutschland als eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt zu sehr von Russland abhängig macht. Aber Washington muss auch die deutschen Antworten hören: Wir sind dabei, zu diversifizieren, wir haben noch andere Bezugsquellen." So würden neue Terminals gebaut, extra für amerikanisches Flüssiggas.

Nord Stream 2 sei für sie wie für andere auch sicher kein Herzensprojekt, so Kramp-Karrenbauer weiter. Aus ihrer Sicht ist die Fertigstellung aber nicht mehr zu stoppen. "Es gibt die Verträge, es gibt Genehmigungen. Ich halte nichts von einer Politik, die der Öffentlichkeit kraftvoll erklärt, was jetzt alles zu tun sei – obwohl sie ganz genau die Vertragslage kennt."

Zugleich bekannte sich Kramp-Karrenbauer zu den bestehenden EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die wegen Moskaus Agieren gegen die Ukraine verhängt worden waren. Die russische Regierung greife im eigenen Land rigide durch, fahre Desinformationskampagnen im Westen und nehme anderen Völkern das Recht auf Selbstbestimmung, wie die Konflikte in Georgien und der Ostukraine sowie die Annexion der Krim gezeigt hätten. "Da wir ein militärisches Eingreifen ausschließen, bin ich für einen Erhalt der Sanktionen, solange keinem etwas Klügeres einfällt", sagte sie.