Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, hat davor gewarnt, dass die Gruppe der sogenannten Mehrfach- und Intensivtäter aus Nordafrika zu einem wachsenden Problem werden könnte. Würde die Polizei ihr Hauptaugenmerk im Bereich der Arbeit gegen kriminelle Zuwanderer nicht auf dieses Milieu richten, stehe zu befürchten, dass aus ihm heraus Strukturen entstünden wie zuvor schon bei einigen arabischen und kurdischen Familienclans, sagte Münch beim Europäischen Polizeikongress in Berlin.

Die besagten Clans sind laut Münch vor allem in Bremen, Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen aktiv. Ihnen könne heute nur noch mit großem Aufwand Einhalt geboten werden. "Probleme, die in 25 bis 30 Jahren entstanden sind, die lösen wir nicht in 25 bis 30 Tagen", sagte der BKA-Chef.

Laut BKA wurden 2017 neun Prozent der aufgeklärten Delikte von Zuwanderern begangen. Bei schweren Gewaltverbrechen und Sexualdelikten lag der Anteil demnach bei über zehn Prozent. Vor allem unter jungen Männern aus Tunesien, Marokko, Algerien und Libyen, die ohne Visum ins Land kamen, ist die Zahl der Intensivtäter den Angaben zufolge hoch.

Eine Hilfe im Umgang mit dieser Tätergruppe sei der inzwischen verbesserte Austausch von Fingerabdrücken im Schengenraum, sagte Münch. Im vergangenen Jahr seien 2.400 Verdächtige aufgrund biometrischer Daten identifiziert worden. In 900 Fällen habe sich dabei herausgestellt, dass die von dem Verdächtigen angegebene Identität falsch war.