Die türkische Polizei hat bei einer Reihe von Razzien hunderte mutmaßlich militante Kurden festgenommen. Insgesamt seien 735 Personen wegen Verbindungen zu kurdischen Aufständischen festgenommen worden, berichtete die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf das Innenministerium des Landes. Die Razzien erfolgten am 20. Jahrestag der Festnahme von Abdullah Öcalan, einem Gründungsmitglied der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Den Festgenommenen wird demnach vorgeworfen, am Jahrestag von Öcalans Festnahme Massenproteste geplant zu haben oder vor den türkischen Kommunalwahlen am 31. März "Chaos verursachen" zu wollen. 226 Personen wurden den Berichten zufolge am selben Tag wieder freigelassen. Für 61 weitere Verdächtige sei Haft angeordnet worden, gegen 448 Verdächtige setze die türkische Justiz die Verfahren fort, hieß es weiter. Bei den insgesamt 156 Polizeieinsätzen seien außerdem Gewehre, Munition, Sprengstoff und Bomben sichergestellt worden, berichtete Anadolu weiter.

Öcalan hatte die PKK 1978 mitgegründet, um Autonomie für die Kurden in der Türkei zu erringen. Die Volksgruppe fühlt sich vom türkischen Staat diskriminiert; der Konflikt um ihren Status prägt das Land seit Jahrzehnten. 1984 hatte die PKK den bewaffneten Kampf für einen unabhängigen Kurdenstaat aufgenommen. Seitdem wurden mehr als 40.000 Menschen getötet.

Öcalan wurde 1999 vom türkischen Geheimdienst in der kenianischen Hauptstadt Nairobi gefasst. Der heute 69-Jährige ist seitdem auf der Gefängnisinsel İmralı im Marmara-Meer inhaftiert und sitzt dort eine lebenslange Haftstrafe ab.