Annegret Kramp-Karrenbauer - »Wenn wir so verkrampfen, dann geht ein Stück Tradition verloren« Beim Politischen Aschermittwoch hat sich Annegret Kramp-Karrenbauer gegen ihre Kritiker gewehrt. Diese hatten ihr vorgeworfen, sich über Intersexuelle lustig gemacht zu haben. © Foto: Danny Gohlke/dpa

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer kann die Empörung über ihren vermeintlichen Fastnachtwitz nicht nachvollziehen. "Manchmal muss man genau hinschauen, bevor man sich künstlich aufregt", sagte Kramp-Karrenbauer auf dem politischen Aschermittwoch ihrer Partei im mecklenburgischen Demmin. Wer sich ihre Rede vor dem Stockacher Narrengericht in voller Länge angehört habe, verstehe, dass sie keinen Witz auf Kosten von Intersexuellen gemacht habe. Sie habe vielmehr versucht, sich gegen den Vorwurf zu verteidigen, eine "Emanze" zu sein. "Es ging um die Klage von Machos, um das Verhältnis von Mann und Frau."

Grünenchef Robert Habeck hatte die Saarländerin auf dem politischen Aschermittwoch seiner Partei in Biberach zuvor aufgefordert, sich für ihre umstrittene Äußerung über die Einführung von Toiletten für das dritte Geschlecht zu entschuldigen. Es sei immer billig, auf Minderheiten herumzureiten, sagte Habeck. Für ihren Witz hatte Kramp-Karrenbauer auch von anderen Seiten viel Kritik einstecken müssen.

In Stockach am Bodensee hatte die CDU-Politikerin gesagt: "Wer war denn von euch vor Kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen." Wer nicht wisse, ob er beim Pinkeln noch stehen dürfe oder schon sitzen müsse, für den gebe es nun eben eine weitere Option.

Dass in Deutschland über "so einen Blödsinn" diskutiert werde, zeige, "dass wir keine anderen Probleme haben", sagte Kramp-Karrenbauer in Demmin. Die Deutschen könnten heute nicht mehr glücklich sein. Im Gegenteil: "Wir sind das verkrampfteste Volk, das auf der ganzen Welt herumläuft." Die Parteichefin warnte: "Wenn wir so weitermachen, laufen wir Gefahr, die Tradition von Karneval und Fastnacht kaputtzumachen."

Die EU solle sich "nicht um jede Trinkwasserverordnung" kümmern

Kramp-Karrenbauer rief ihre Partei in ihrer Rede zu einem engagierten Europawahlkampf auf. "Das ist keine Europawahl, wie sie sonst immer war." Es gehe um die Frage, "ob wir in Europa, und das, was wir in Deutschland, was wir in Europa für richtig halten, was wir für Werte haben, ob wir damit noch eine Rolle spielen in der Welt oder nicht".

Von der Europäischen Union forderte Kramp-Karrenbauer, sich um die wichtigen Themen und "nicht um jede Trinkwasserverordnung, nicht um jede Kleinigkeit" zu kümmern. "Wenn wir sicher leben wollen, muss Europa sich um den Schutz der Außengrenzen kümmern." Das sei "unsere Aufgabe, das müssen wir gewährleisten".

Außerdem sei eine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik erforderlich. Im Streit zwischen Russland und den USA um den INF-Abrüstungsvertrag erlebe Europa gerade, "wie wir auf einmal wieder Spielball werden", sagte die CDU-Vorsitzende. "Und das wollen wir nicht. Und deswegen müssen wir uns hier in Europa auch selbst aufstellen."