Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat ein Konzept für die Entwicklung der Europäischen Union vorgestellt. In einem Gastbeitrag in der Welt am Sonntag schlägt sie unter anderem einen gemeinsamen Binnenmarkt für Banken vor und spricht sich gegen die Vergemeinschaftung von Schulden aus. "Wenn wir wollen, dass unsere Unternehmen in Europa auch in Zukunft von europäischen Banken finanziert werden, müssen wir einen gemeinsamen Binnenmarkt für Banken schaffen", fordert Kramp-Karrenbauer. "Europäischer Zentralismus, europäischer Etatismus, die Vergemeinschaftung von Schulden, eine Europäisierung der Sozialsysteme und des Mindestlohns wären der falsche Weg", auch wenn gleichwertige Lebensverhältnisse innerhalb der Mitgliedstaaten und zwischen den Mitgliedstaaten angestrebt werden müssten.

Auf die globalen wie gesellschaftlichen Herausforderungen könne es nur eine Antwort geben: "Unser Europa muss stärker werden", schreibt Kramp-Karrenbauer und fordert in ihrem Gastbeitrag die Schließung von Steuerschlupflöchern, um die Verzerrung des Wettbewerbs in Europa durch Steuervermeidung zu beenden. Zudem müsse eine am OECD-Modell orientierte digitale Besteuerung eingeführt werden.

Zugleich kritisierte sie Reformideen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Seinem Vorstoß für einen EU-weiten Mindestlohn erteilte sie eine Absage. Auf Macrons Vorschlag, europäische Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen zu bevorzugen, ging sie in ihrem Konzept nicht ein.

Sie stimme Macron ausdrücklich zu, dass Europa sichere Außengrenzen brauche. Dafür sei eine Vereinbarung in der EU "über einen lückenlosen Grenzschutz" nötig. In der Außen- und Sicherheitspolitik müsse die Handlungsfähigkeit dringend verbessert werden. Die EU sollte mit einem gemeinsamen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat vertreten sein. "Gleichzeitig sollten wir in einem Europäischen Sicherheitsrat unter Einbeziehung Großbritanniens über gemeinsame außenpolitische Positionen entscheiden und das gemeinsame Handeln in der Sicherheitspolitik organisieren."

Um die Erfolgsgeschichte Europa unter geänderten globalen Rahmenbedingungen fortsetzen zu können, müssten die Grundlagen des Wohlstands gesichert werden, schreibt Kramp-Karrenbauer. Mit der Schaffung der Währungsunion und der Stabilisierung der Eurozone sei der richtige Pfad eingeschlagen.

Macron hatte zuvor tiefgreifende Reformen für die Europäische Union gefordert. Er schlug unter anderem eine europäische Asylbehörde vor. Die Bundesregierung hatte zurückhaltend auf diese Ideen reagiert. Macron hatte auch mit der Notwendigkeit argumentiert, Nationalisten vor der Europawahl etwas entgegenzusetzen.