Zwei Monate vor der Europawahl hat CSU-Chef Markus Söder einen klar proeuropäischen Kurs seiner Partei angekündigt. Es brauche "ein Signal der Entschlossenheit für Europa", sagte Söder vor dem Beginn des CSU-Europaparteitags. Dabei gehe es um die Frage, "ob wir es zulassen, dass wir uns weiter in Europa spalten und dass Europa damit ein Stück weit von anderen instrumentalisiert und manipuliert werden kann".

Laut Söder sei die gemeinsame Zusammenarbeit daher aktuell besonders wichtig. "Die Amerikaner drohen, die Chinesen kaufen und Russen infiltrieren." Europa sei bisher aber gar nicht richtig in der Lage, eine Gegenstrategie zu entwickeln. "Deswegen ist es wichtig, dass wir mit dem heutigen Tag ein Signal des Brückenbauens setzen", sagte er weiter.

"Ich persönlich und wir als CSU sind nicht bereit, Neinsagern, Nationalisten, Populisten und Extremisten diesen Kontinent zu überlassen", sagte Söder. "Entweder Europa verabschiedet sich von der Weltbühne mit dieser Wahl oder Europa kehrt kraftvoll zurück."

Söder grenzte sich zudem von früheren Positionierungen seiner Partei und dem EU-kritischen Wahlkampf seines Vorgängers Horst Seehofer ab. "Die Welt um uns herum hat sich schneller und dramatischer verändert. Das ist auch der Grund, warum die CSU anders als vor fünf Jahren jetzt nicht ins Kleine blickt, sondern das Große im Auge hat", sagte er.

Ein Prozentziel für die Wahl am 26. Mai gab Söder aber nicht aus. Das "eigentliche Ziel" sei auch, dass CSU-Vize und EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber neuer EU-Kommissionspräsident werde, sagte er. Bei einem Wahlsieg der Europäischen Volkspartei hat Weber gute Chancen auf das Amt und damit die Nachfolge von Jean-Claude Juncker.

"Kompass statt Chaos"

Auch CSU-Generalsekretär Markus Blume bekräftigte vor dem Parteitag die proeuropäische Haltung seiner Partei. In den derzeitigen chaotischen Brexit-Tagen wolle die CSU einen klaren Blick behalten und ein Zeichen für Europa setzen, sagte er. Die CSU wolle ein Europa, "das uns stark macht und zusammenhält".

Zu dem kleinen Parteitag in Nürnberg werden rund 200 Delegierte und einige Hundert Gäste erwartet. Im Zentrum stehen die Reden von Söder und Weber. Zudem soll der Parteitag formal das gemeinsame EU-Wahlprogramm von CDU und CSU absegnen. Dieses war am Montag bei einer Vorstandssitzung beider Parteien in Berlin beschlossen worden.