Die Linke - Sahra Wagenknecht gibt Fraktionsvorsitz ab Die Linke-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht will nicht erneut für das Amt kandidieren. Sie begründete ihren Rückzug mit gesundheitlichen Problemen. © Foto: Sina Schuldt/dpa

Die Vorsitzende der Fraktion der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht, kandidiert im Herbst nicht erneut für das Amt. Fraktionssprecher Michael Schlick bestätigte am Nachmittag entsprechende Medienberichte, unter anderem des RedaktionsNetzwerks Deutschland.

Zur Begründung verwies Wagenknecht den Berichten zufolge auf gesundheitliche Probleme. Die 49-Jährige hatte in den vergangenen zwei Monaten aus Krankheitsgründen pausiert und deshalb auch beim Linke-Parteitag in Bonn gefehlt. "Inzwischen geht es mir wieder gut. Allerdings hat mir die lange Krankheit, deren Auslöser in erster Linie Stress und Überlastung waren, Grenzen aufgezeigt, die ich in Zukunft nicht mehr überschreiten möchte", heißt es in einem Schreiben Wagenknechts an die Fraktion.

Wagenknecht ist seit Oktober 2015 neben Dietmar Bartsch Vorsitzende der Linksfraktion. Bis zum Herbst, wenn turnusmäßig die Neuwahl des Fraktionsvorstands ansteht, will sie ihre Aufgaben demnach weiter wahrnehmen. Auch danach bleibe sie "selbstverständlich politisch aktiv" und werde sich weiterhin für ihre Überzeugungen und sozialen Ziele engagieren, schrieb sie laut AFP weiter.

Auf diese Ankündigung habe es in der Fraktion "sehr emotionale Reaktionen" gegeben, sagte der parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte. Für den Wahlkampf im Osten setzt die Linke zunächst aber weiter voll auf Wagenknecht. Gerade hier sei sie eine Identifikationsfigur, sagte Korte. Deshalb solle sie auch wie geplant vor den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen auftreten – "selbstverständlich mit dem Hinweis, soweit es ihre Gesundheit zulässt", betonte Korte.

Erst am Wochenende hatte Wagenknecht in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ihren Rückzug aus der Führung der linken Sammlungsbewegung Aufstehen bekannt gegeben. Sie gehörte zusammen mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine Anfang September 2018 zu den Gründerinnen und Gründern. Aufstehen will nach eigenen Angaben linke Wählerinnen und Wähler erreichen, die sich von den klassischen Parteien abgewendet haben. 

Streitpunkte Flüchtlingspolitik, #unteilbar-Demo und Gelbwesten

Heute zählt die Bewegung nach eigenen Angaben rund 170.000 Unterstützerinnen und Unterstützer, spielt politisch aber keine sichtbare Rolle. Anders als bei Parteien muss man keinen Mitgliedsbeitrag zahlen und kann sich einfach im Internet anmelden. Bei der Linken stieß Wagenknecht mit dem Projekt auf viel Ablehnung; das Engagement verschärfte den Streit zwischen ihr und der Parteivorsitzenden Katja Kipping. Auch die Spitzen von SPD und Grünen reagierten skeptisch.

Viele Linke waren zuletzt auch unzufrieden mit Wagenknechts Alleingängen in der Flüchtlingspolitik, ihrer Kritik an der von der Linken unterstützten #unteilbar-Demo im Oktober und ihrer Unterstützung für die französischen Gelbwesten. Es gab parteiinterne Überlegungen, Wagenknecht zu stürzen. Wagenknecht tritt weiterhin für eine Überwindung des Kapitalismus in Deutschland ein, wird häufig in Talkshows eingeladen und zieht die Aufmerksamkeit eines Massenpublikums auf sich.

Wagenknecht ist auch Wortführerin des linken Flügels in der Partei. Ohne sie gebe es möglicherweise Chancen für neue Bündnisse, sagte SPD-Vize Ralf Stegner. Es könne leichter werden, Koalitionen ohne die Union zu bilden.