Die Behörden in Deutschland haben seit 2014 Tausende Hinweise auf mögliche Kriegsverbrecher unter Asylsuchenden erhalten. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag hervor, die ZEIT ONLINE vorliegt. Demnach leitete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) insgesamt mehr als 5.000 Hinweise auf "Straftaten nach dem Völkerrecht" an das Bundeskriminalamt und den Generalbundesanwalt weiter. Zuerst hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet.

Den Angaben des Innenministeriums zufolge folgten allerdings nur in einem kleinen Teil der Fälle Ermittlungen. Demnach gab es seit 2014 129 Verfahren. Ein Sprecher des Ministeriums sagte der Bild-Zeitung, "die große Zahl der Hinweise hat es nicht zugelassen, allen zum Beispiel durch polizeiliche Vernehmungen unmittelbar nachzugehen".

Bundesinnenminister Horst Seehofer teilte mit, er habe dazu einen "sehr genauen Bericht" angefordert. Er könne aber bereits sagen, dass die Hinweise "nicht einfach von den Sicherheitsbehörden abgelegt", "sondern natürlich geprüft" worden seien. Falls es Versäumnisse gegeben habe, würden diese Fälle auch aufgearbeitet.

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg kritisierte die geringe Zahl an Ermittlungsverfahren. "Kriegsverbrecher dürfen in Deutschland keinen Schutz bekommen. Das sind wir auch den Opfern schuldig", sagte Teuteberg. Den Hinweisen müsse angemessen nachgegangen werden.