Bundesaußenminister Heiko Maas hat zu mehr Anstrengungen bei der Gleichstellungspolitik aufgerufen. "Ohne die Verwirklichung von Gleichstellung gibt es auch keine echte Demokratie", sagte der Minister bei einer Konferenz anlässlich des Weltfrauentages im Auswärtigen Amt.

Eine Recherche von ZEIT ONLINE hatte im vergangenen Jahr belegt, dass die Bundesregierung systematisch ihre eigenen Gleichstellungsziele verletzt. Insgesamt gab es seit 1949 mehr beamtete Staatssekretäre, die mit Vornamen Hans hießen, als Frauen in dieser Position. Das Außenministerium gehörte dabei zu den Ministerien, bei denen besonders wenige Frauen in Führungspositionen zu finden waren.

Frauen seien im Auswärtigen Dienst in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert, räumte Maas ein. Er versprach, dies zu ändern. Jeder, der sich als aufrechter Demokrat bezeichne, müsse sich konsequent für Frauenrechte einsetzen, sagte der Minister. Für ihn sei es selbstverständlich, alle Instrumente zu nutzen, "um unsere Gesellschaft zu modernisieren und damit auch die Gleichstellung voranzubringen". Dies gelte für sein Ministerium ebenso wie für die gesamte deutsche Außenpolitik.

Das International Peace Institute habe festgestellt, dass ein stabiler Frieden um über ein Drittel wahrscheinlicher werde, wenn Frauen am Prozess beteiligt seien, sagte Maas. Bisher seien aber "nur acht von 100 Stühlen bei Friedensverhandlungen von Frauen besetzt". "Klar ist, dass eine Außenpolitik für Frauen nur eine Außenpolitik von und mit Frauen sein kann", sagte Maas. "Deshalb muss unsere Außenpolitik weiblicher werden."

Im Auswärtige Amt werde bei den Neueinstellungen und den Beförderungen nun zugunsten eines höheren Frauenanteils umgesteuert. Im neu ausgewählten Attaché-Lehrgang des Ministeriums seien 54 Prozent Frauen dabei. Auf der Abteilungsleiterebene im Ministerium habe sich der Frauenanteil von 27 auf 45 Prozent erhöht. Maas kündigte zudem an, demnächst eine Frau zur Staatssekretärin im Außenministerium zu ernennen. Von den fünf Staatssekretärsstellen ist derzeit nur eine mit einer Frau besetzt.

"Unser Haus muss insgesamt bunter und inklusiver werden", forderte der Minister. Notwendig sei dafür auch "eine Hauskultur, in der es ganz selbstverständlich ist, dass gute Arbeit und ein erfülltes Privatleben auch vor 20 Uhr keine Gegensätze sind".