Der neue Vorsitzende der Jungen Union (JU), Tilman Kuban, hat Kritik an der Mutterpartei geübt und dabei von einer "Gleichschaltung" gesprochen. "In den letzten Jahren haben sich viele in der CDU nicht mehr wohlgefühlt, weil wir bei unserer Ausrichtung eine Gleichschaltung erlebt haben", sagte Kuban der Welt. "Wir brauchen wieder drei Flügel und Persönlichkeiten, die ihre Meinung sagen."

Mit dem Begriff "Gleichschaltung" wird gemeinhin die Unterdrückung der Meinungsvielfalt in der NS-Diktatur beschrieben. Die Nazis richteten Parteien, Verbände, Vereine und die Medien per Zwang auf ihre eigenen Ziele aus.

Kuban war in der vergangenen Wochenende an die Spitze der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU gewählt worden.  Am Montag wird der 31-Jährige dem Bericht zufolge als JU-Vorsitzender zum ersten Mal an einer Sitzung des CDU-Bundesvorstandes teilnehmen und dort auch Merkel treffen. "Ich habe Respekt vor der Leistung Angela Merkels, aber sie war kein Idol von mir."

Kuban sagte weiter, vor allem in der Flüchtlingskrise habe die Parteibasis eine andere Politik gewollt. "2015 hat eine schweigende Mehrheit in der CDU den Kurs der Führung nicht mitgetragen. Eine Mitgliederbefragung hätte ein anderes Ergebnis als ein Parteitag gehabt."

Kanzlerin Angela Merkel hätte damals "viel früher ein Stoppsignal setzen müssen", sagte Kuban. Ihre Politik sei auch juristisch fragwürdig gewesen. "Die Rechtslage zur Grenzöffnung ist ja letztlich nie ausgeleuchtet worden."

Auch den von Merkel vorangetriebenen Atomausstieg bewertete der 31-jährige JU-Vorsitzende äußerst kritisch. "Der kurzfristige Atomausstieg war ein Fehler, weil er nicht in eine europäische Lösung eingebettet wurde", sagte er. Sichere deutsche Meiler seien abgeschaltet worden, weniger sichere ausländische Meiler hingegen weiter am Netz geblieben. "Nach Fukushima wurde eine emotionale Entscheidung getroffen, obwohl sich die Sicherheitslage in Deutschland nicht verändert hatte."