Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will sogenannte Konversionstherapien verbieten, die darauf abzielen, Homosexuelle zu Heterosexuellen zu machen. Nach Angaben seines Ministeriums rief der CDU-Politiker dazu eine Fachkommission ein, die Vorschläge erarbeiten soll, wie genau ein solches Verbot eingeführt werden kann. Seinen Abschlussbericht soll das Gremium dann im Herbst vorlegen.

"Homosexualität ist keine Krankheit und nicht therapiebedürftig", wird Minister Spahn in der Mitteilung seines Ressorts zitiert. Deshalb sollten die Pseudotherapien verboten werden. Dies rechtlich zu regeln, sei aber nicht so einfach. Daher werde man auf Grundlage der Empfehlungen der Experten entscheiden, wie und was umgesetzt werden kann.

"Ernsthafte Bedrohung für Gesundheit und Menschenrechte"

Sogenannte Konversions- oder "Reparationstherapien" zielen darauf ab, schwule und lesbische Menschen von ihrer sexuellen Orientierung zu "heilen". In der Fachwelt werden sie abgelehnt, der Weltärztebund nennt sie eine "ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit und Menschenrechte" der behandelten Menschen. Im März des vergangenen Jahres verurteilte auch eine Mehrheit des EU-Parlaments diese Therapien.

Insbesondere Vertreterinnen und Vertreter christlich-evangelikaler Kirchen befürworten die sogenannte Konversionstherapie. Sie sind der Auffassung, Homosexualität sei eine psychische Erkrankung und deshalb heilbar.

Workshops mit internationalen Experten und Betroffenen

Auf zwei Workshops im Mai und Juni will das Gesundheitsministerium dem entgegenwirken und hat dazu Politiker, Wissenschaftler und auch Betroffene eingeladen. Institutionen aus dem Ausland, die mit gesetzlichen Verboten bereits Erfahrungen gesammelt hätten, sollten ebenfalls an dem Austausch teilnehmen, hieß es. 

Die Kommission wird fachlich von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld begleitet. Die nach dem Arzt, Sexualforscher und Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung (1868-1935) benannte Stiftung will der Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen entgegenwirken.

Parallel zu Spahns Vorgehen gibt es auch eine Initiative mehrerer Bundesländer für ein Verbot der sogenannten Konversionstherapie. Hessen, Berlin, Bremen, das Saarland und Schleswig-Holstein wollen dazu noch in dieser Woche im Bundesrat einen gemeinsamen Entschließungsantrag präsentieren.