Mecklenburg-Vorpommerns Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) ist überraschend zurückgetreten. Am Morgen sei in der Staatskanzlei ein Schreiben des Ministers eingegangen, in dem er Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) über diesen Schritt informiert habe, sagte Regierungssprecher Andreas Timm. 

Brodkorb selbst nannte fehlendes Vertrauen zwischen ihm und Schwesig als Grund. Dies gelte beiderseits. Auch in finanzpolitischen Fragen habe es Differenzen gegeben, die er nicht mehr mit seinen Überzeugungen habe vereinbaren können. "In einer Regierung gibt es nichts Wichtigeres als eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Staatskanzlei und dem Finanzministerium als strategischem Schlüsselressort", betonte Brodkorb. Er kündigte an, sein Landtagsmandat behalten zu wollen. 

Der konkrete Anlass für den Rücktritt waren seinen Angaben zufolge aber "deutliche Meinungsverschiedenheiten" bei Personalfragen. Es sei darum gegangen, wie zu besetzende Posten im Ministerium vergeben werden und was dabei Leistung und Befähigung bedeuteten. "Das war für mich der letzte Grund zu sagen: Ich bin nicht der richtige Finanzminister für Frau Schwesig." Weitere Details nannte Brodkorb nicht.

Spekulationen über Kabinettsumbildung

Anfang April hatte Schwesig einen neuen Staatssekretär in Brodkorbs Ministerium ernannt. Heiko Geue ist ein alter Bekannter der Regierungschefin. Sie kenne ihn gut aus gemeinsamer Zusammenarbeit im Bundesfamilienministerium, hatte Schwesig gesagt. In den vergangenen fünf Jahren leitete Geue die Zentralabteilung im Bundesfamilienministerium.

Brodkorb war von 2011 bis 2016 Bildungsminister im Kabinett des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Sellering (SPD), der als sein Förderer galt. Nach der gewonnenen Wahl 2016 sorgte Sellering zunächst dafür, dass Brodkorb Vorsitzender der SPD-Fraktion wurde, holte ihn dann aber kurz danach als Finanzminister wieder in die Regierung.

Mit dem krankheitsbedingten Rückzug Sellerings als Regierungschef 2107 wurde Brodkorbs Position schwieriger. Zuletzt waren Spannungen zwischen ihm und Sellerings Nachfolgerin Schwesig offen zu Tage getreten.

Seit Langem wird in Schwerin über eine umfassendere Kabinettsumbildung spekuliert. Der Tod der langjährigen Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) am Sonntag könnte die Entwicklung beschleunigen.