Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert rechnet mit einer hohen Wahlbeteiligung bei der bevorstehenden Europawahl. "Gerade für die jüngere Generation geht es um alles in Europa – darum, ob die Welt, in die wir geboren wurden, noch erhalten bleibt", sagte Kühnert anlässlich einer Konferenz der SPD-Jugendorganisation in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Der Brexit habe gezeigt, dass es manchmal schwer genug sei, sich als jüngere Generation politisch zu behaupten.

"Es wird viel über Jugendbeteiligung geredet", sagte Kühnert. Die Jusos wollten nun ein Signal setzen, dass junge Menschen in der Politik Verantwortung übernehmen. "Wir wollen jungen Menschen eine Vertretung im Parlament geben, anstatt nur freundlich zu bitten, dass die Älteren uns gelegentlich zuhören." Erstmals seien zwei Jusos auf vorderen Listenplätzen der SPD im Rennen: Kühnerts Stellvertreterin Delara Burkhardt auf Platz fünf und Tiemo Wölken auf Platz zwölf.

Die Wahlen zum Europäischen Parlament finden vom 23. bis zum 26. Mai statt. In Deutschland wird am 26. Mai gewählt. Bei der letzten Europawahl 2014 lag die Wahlbeteiligung in Deutschland bei 48,1 Prozent. 

"Am meisten stört mich das altväterliche Gehabe"

Überfällig ist aus Kühnerts Sicht eine Herabsetzung des Wahlalters auf 16. Das Wahlrecht sei keine Belohnung, sondern ein Grundrecht. Diejenigen, die jungen Menschen keine Stimme geben wollten, seien in der Pflicht, das zu begründen.

Kühnert sprach sich auch gegen Vereinnahmungsversuche der Fridays-for-Future-Bewegung, bei der jeden Freitag in vielen Städten Schüler für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen. "Bei den Reaktionen auf Fridays for Future stört mich am meisten das altväterliche Gehabe, dass das gut sei, wenn sich junge Leute politisch engagieren", sagte er. "Die gehen aber nicht auf die Straße, um Fleißbienchen im Muttiheft zu bekommen für besonderes politisches Engagement, sondern, weil sie etwas stört." Die jungen Demonstrierenden wollten politische Taten sehen und keine warmen Worte hören.