Nachdem bekannt wurde, dass er der CDU beim Programm hilft, schärfte Patzelt sein politisches Profil. Er trat in die Werteunion ein, einen konservativen Zusammenschluss von CDU-Nahen und -Mitgliedern, mit nicht unerheblichen Schnittmengen zur AfD. Zeitgleich rumorte es mal wieder an der TU Dresden, seiner langjährigen wissenschaftlichen Heimat. Auch dort gibt es Patzelt-Kritiker. Man warf ihm vor, mehr "politischer Akteur" als Politikwissenschaftler zu sein. Solche Vorwürfe begleiteten ihn bis zu seiner Emeritierung. Im März hat sich Patzelt planmäßig vom Dresdner Campus emeritiert. Patzelt war sauer, weil er keine Seniorprofessur bekam. Der Dekan hatte sich gegen einen solchen Antrag entschieden. In der Begründung hieß es unter anderem, dass Patzelt "Politik und Wissenschaft derart vermischt habe, dass dem Ruf der TUD und der Fakultät geschadet wurde".

Wie Patzelt im akademischen Milieu verlächelt wird, hat er gleichwohl viele Bewunderer. Zu seiner letzten Lehrveranstaltung schickte der CDU-nahe Ring Christlich-Demokratischer Studenten als Überraschung einen Fanfarenzug vorbei. Ein Kreis seiner Mitarbeiter veröffentlichte kürzlich einen Brief und bedankte sich darin bei ihrem Chef. Als Patzelt 2015 mal wieder besonders in der Kritik stand, habe er in einer Besprechung gesagt, "dass er es uns nicht übelnehmen würde, wenn wir aus karrierestrategischen Gründen glaubten, uns von ihm distanzieren zu müssen", wie es in dem Brief der Mitarbeiter heißt: "Niemand aus unserem – politisch bunten – Team hat damals wie heute dafür Anlass gesehen."

"Das Original bleibt die CDU"

Kritik bereitet Patzelt fast lustvolle Freude. Er hat Spaß an langen Entgegnungen. Fehler sucht er selten zuerst bei sich. Lieber zerpflückt er seine Kritiker. Bis heute hält Patzelt Aufträge der AfD für "nicht verwerflich", auch das üppige vierstellige Honorar, das er dafür erhalten hat, nicht. Er habe der AfD damals geraten, "sich nicht noch weiter zu radikalisieren, nicht mit Extremisten zu liebäugeln". Seine Meinung heute: Hätte die AfD mal besser auf seine Ratschläge gehört! "Aber sie hat es vorgezogen, keine konstruktive Opposition zu werden, sondern sich auf den Weg einer NPD Light zu begeben."

Die Kontakte zum rechten Lager sind dennoch erst mal eingefroren. Patzelt sagt, er habe alle noch anstehenden Einladungen von der AfD abgesagt. Auch rechten Zeitungen wie der Jungen Freiheit will er vorerst keine Interviews geben. Er wolle nicht unnötig provozieren. Nun, da er die CDU aktiv unterstützt, ist die AfD "der politische Gegner, den wir getrost bekämpfen und kleinhalten können. Die Kopie wird immer mehr als schlechte Kopie erkannt. Das Original bleibt die CDU." Vor einiger Zeit hatte er eine mögliche Koalition zwischen CDU und AfD nicht als komplettes Tabu angesehen. Nun schließt er solche Gedankenspiele aus, ebenso wie die CDU-Führung.

Das Regierungsprogramm, an dem Patzelt mitgeschrieben hat, ist ein klassisches CDU-Papier, nicht rechtspopulistisch. Darin enthalten ist vor allem viel Altbekanntes mit ein bisschen Selbstkritik. "Wir wollen auch im Wissen gestalten, dass wir in der Vergangenheit nicht immer alles richtig gemacht haben", erklärt der Generalsekretär der Sachsen-CDU, Alexander Dierks. Das könne man als Reaktion auf die AfD verstanden wissen. Dass man sich eben nicht von der rechten Partei treiben und zu "Phrasen" verleiten lasse, so Dierks. Ein schärferes Polizeigesetz will die CDU sowie eine Landarzt-Quote für Medizinstudenten. Auch Extremismus soll bekämpft werden, egal aus welcher Richtung, aber mit dem Zusatz: "Rechtsextremismus ist in Sachsen ein besonderes Problem.".

Im Juni stimmt die sächsische CDU bei einem Parteitag über das 62 Seiten dicke Programm ab. Bis dahin sollen weitere Ideen einfließen – und Werner Patzelt wird redigieren. Er ist mit dem Entwurf schon ziemlich zufrieden, "auch wenn es immer noch kein Unterhaltungsroman ist – aber das liegt in der Natur der Sache". Einen kompletten Kurswechsel wird es mit ihm als Wahlhelfer nicht geben. "Ein ganz neues Sachsen braucht es nicht", findet Patzelt, "Weil Sachsen, so gut wie es dasteht, das Werk der CDU ist."