Bilel B, ein langjähriger Freund des Breitscheidplatz-Attentäters Anis Amri, sitzt in seiner Heimat Tunesien im Gefängnis. Das teilte das tunesische Außenministerium der Bundesregierung nach Informationen von ZEIT ONLINE am vergangenen Dienstag schriftlich mit. B. hatte sich am Abend des 18. Dezembers 2016, also am Tag vor dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt, mit Amri in einem Restaurant in Berlin getroffen. Seitdem gilt er als möglicher Mitwisser des Terroristen.

In dem Schreiben des tunesischen Außenministeriums an die Deutsche Botschaft in Tunis vom 7. Mai heißt es: "Das Außenministerium (…) hat die Ehre, darüber zu informieren, dass das Innenministerium mitgeteilt hat, dass (…) der Staatsbürger Bilel B. derzeit inhaftiert ist." Das Dokument ging über das deutsche Innenministerium dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Bundestag zu, der den Anschlag des Attentäters Amri auf Behördenfehler prüfen soll. Es liegt ZEIT ONLINE vor.

Bilel B. war unter Mitwirkung von Justiz, Verwaltungsbehörden und Bundesregierung bereits wenige Wochen nach dem Anschlag, am 1. Februar 2017, nach Tunesien abgeschoben worden.

Zu diesem Zeitpunkt war seine mögliche Mitwisserschaft noch nicht abschließend geklärt. Das zeigen Vermerke des Bundeskriminalamtes (BKA).

Opposition will B. vernehmen

Nach seiner Übergabe an die tunesischen Behörden hatte sich B.s Spur zunächst verloren. Auch der Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erklärte, er kenne den Aufenthaltsort von B. nicht.

Bei den Mitgliedern des Untersuchungsausschusses des Bundestages galt Bilel B. wegen seiner Nähe zu Amri schon früh als potenziell zentrale Figur und wichtiger Zeuge. Vor seiner Abschiebung war er zweimal vernommen worden, ohne dass sich Hinweise auf eine Mitwisserschaft erhärten ließen. Allerdings lagen damals noch nicht alle Informationen über B. vor, die die Ermittler seither in Erfahrung gebracht haben.

Durch das Bekanntwerden seiner Inhaftierung könnte er nun auch im Untersuchungsausschuss des Bundestags als Zeuge vernommen werden. "Wir wollen B. vernehmen", sagt Martina Renner, Obfrau für die Linke im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz. "Jetzt wo klar ist, wo er sich befindet, ist die Bundesregierung gefordert, eine Vernehmung zu ermöglichen."