Der Plan von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) für eine Mindestvergütung für Auszubildende stößt in der Wirtschaft und in Teilen der Union auf Kritik. "Ich halte das nicht für sinnvoll und zielführend", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer, der Deutschen Presse-Agentur. Eine Mindestvergütung von 515 Euro pro Monat würde Betriebe belasten, vor allem im Osten. "Das kann dazu führen, dass Unternehmen weniger ausbilden." Außerdem sei der Staat nicht dazu da, die Rolle der Tarifpartner zu übernehmen.

Nach den Plänen von Bildungsministerin Anja Karliczek sollen Auszubildende vom kommenden Jahr an mindestens 515 Euro im Monat verdienen. Eine entsprechende Reform des Berufsbildungsgesetzes will das Bundeskabinett an diesem Mittwoch beschließen. Damit würde erstmals in Deutschland eine gesetzliche Untergrenze für die Vergütung von Azubis festgeschrieben – analog zum gesetzlichen Mindestlohn.

Pfeiffer sagte, die Mindestvergütung für Auszubildende stehe zwar im Koalitionsvertrag. Angesichts der schwächeren Konjunktur müssten aber alle Ausgaben auf den Prüfstand, welche die Wirtschaft belasten könnten. Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte bereits ein Moratorium gefordert.

Karliczek hatte gesagt, für die Betriebe müsse die Mindestvergütung wirtschaftlich tragbar sein. Dort, wo der Einstieg in den Mindestlohn nicht so schnell gewährleistet werden könne, wolle man den Betrieben gemeinsam mit den Sozialpartnern einen längerfristigen Einstieg ermöglichen. Die Mindestvergütung für Azubis soll nach ihren Plänen bis 2023 auf 620 Euro pro Monat steigen.

"Auszubildende haben eine faire Vergütung verdient"

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kritisierte, dass sich dies vor allem auf die Ausbildungsbereitschaft von Kleinbetrieben auswirken könnte. Insbesondere die Steigerungen von Ausbildungsjahr zu Ausbildungsjahr belasteten kleinere Unternehmen in erster Linie in Ostdeutschland, sagte Vizehauptgeschäftsführer Achim Dercks der Neuen Osnabrücker Zeitung. Auch ohne gesetzliche Regelung hätten sich die Tarifparteien in den vergangenen Jahren auf überdurchschnittliche Steigerungen verständigt.

Zustimmung zu dem Vorhaben kam aus der SPD. "Auszubildende arbeiten produktiv mit und haben deshalb eine faire Vergütung verdient", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Oliver Kaczmarek der Passauer Neuen Presse. Die FDP sprach dagegen von einer ernsten Bedrohung für das System der dualen Berufsausbildung in Deutschland. "Ich rufe die Bundesregierung dazu auf, dieses bewährte System nicht durch dirigistische Eingriffe zu gefährden, sondern es selbstbewusst in die Welt zu tragen", sagte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer der Augsburger Allgemeinen.