Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) macht sich für eine neue Nationalhymne stark. Er singe zwar die dritte Strophe des Deutschlandlieds mit, könne aber "das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 nicht ausblenden", sagte Ramelow der Rheinischen Post. Auch viele Ostdeutsche sängen die Hymne nicht mit. 

Bei der Nationalhymne handelt es sich um die dritte Strophe des Lieds der Deutschen von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben ("Einigkeit und Recht und Freiheit"). Die Nationalsozialisten ließen nur die erste Strophe singen, in der es "Deutschland ... über alles in der Welt" und "... von der Maas bis an die Memel" heißt. Der aus Niedersachsen stammende Politiker sagte, er wünsche sich "eine wirklich gemeinsame Nationalhymne". Bisher habe dieser Wunsch "leider immer nur für empörte Aufregung gesorgt".

Nationalhymne - "Das Lied der Deutschen" Der Komponist Joseph Haydn hat in die deutsche Hymne ein Volkslied eingeschmuggelt. Was Sie sonst noch darüber wissen sollten, verrät Musikwissenschaftler Hartmut Fladt. © Foto: Zeit Online

Damit bezieht er sich auf diverse Versuche, eine gesamtdeutsche Hymne zu schaffen. Denn die derzeitige Nationalhymne mit der Musik von Joseph Haydn ist seit dem Einheitstag von 1990 die der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Die DDR hatte eine Hymne mit einer Melodie von Hanns Eisler und einem Text von Johannes R. Becher (Auferstanden aus Ruinen), der allerdings seit den Siebzigerjahren nicht mehr gesungen wurde, weil angesichts der damals verfestigten deutschen Teilung die  Textpassage "Deutschland einig Vaterland" der kommunistischen DDR-Führung nicht mehr zeitgemäß erschien.    

In den Verhandlungen zum Einigungsvertrag 1989/90 schlug der damalige und zugleich letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, vor, die erste Strophe der DDR-Hymne der westdeutschen Nationalhymne textlich anzugliedern. Die bundesdeutschen Verhandlungspartner um Bundeskanzler Helmut Kohl lehnten das ab und verwiesen auf den Umstand, dass das DDR-Gebiet der BRD gemäß der im damaligen Grundgesetz vorgesehenen Anschlussregelung beitreten werde – also keine solchen Forderungen stellen könne. Spätere politische Initiativen, beide Hymnen zu vereinen, verliefen im Sande. 

Kretschmer verbindet mit Hymne Revolution, Kohl und Einheit

Nun plädiert Ramelow für "etwas ganz Neues" und greift damit diverse Forderungen von DDR-Bürgerrechtlern auf. Er wünscht sich "einen neuen Text, der so eingängig ist, dass sich alle damit identifizieren können und sagen: Das ist meins."   

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) widersprach Ramelow: Er singe die Nationalhymne sehr gern und verbinde damit "genau diesen großartigen Teil unserer Geschichte – die friedliche Revolution, Helmut Kohl und die Deutsche Einheit". Gerade für die Ostdeutschen habe die Hymne eine besondere Bedeutung. Das Lied der Deutschen spiegele "die wechselvolle Geschichte unseres Landes". Gerade deshalb sollte die dritte Strophe die Nationalhymne bleiben.

Das Deutschlandlied wurde mit seinem Text von 1841 in der Weimarer Republik zur Nationalhymne gemacht. Später missbrauchten die Nationalsozialisten die erste Strophe für ihre Zwecke. Die deutsche Nationalhymne besteht heute aus der dritten Strophe "Einigkeit und Recht und Freiheit".