In der Debatte um Plastikmüll hat der Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ein unverzügliches Verbot von Einwegplastiktüten gefordert. Nur mit einem solchen Verbot könne man die ungebrochenen Müllexporte in Entwicklungs- und Schwellenländer eindämmen, sagte er der Augsburger Allgemeinen. "Das Verbot von Plastikstrohhalmen genügt nicht, Deutschland sollte nicht auf Europa warten und Einwegplastiktüten sofort verbieten."

Müller verwies auf afrikanische Länder, die bereits Plastiktüten verboten hätten. "Was Ruanda, Kenia und Uganda können, müssen wir auch schaffen", sagte er. Es könne nicht das Ziel sein, den Müll nun einfach in andere Länder wie Malaysia zu schicken. "Wenn wir so weitermachen, versinken wir im Müll", sagte der Entwicklungsminister. Mittelfristig werde Müll demnach zur globalen Überlebensfrage, genau wie der Klimawandel. Müller hatte sich bereits offen für eine Plastiksteuer gezeigt.

Plastikmüll ist ein globales Problem. Da die billigen Einwegprodukte nicht verrotten, belasten sie die Umwelt sehr lange. Insgesamt geht die Zahl der verbrauchten Plastiktüten in Deutschland stark zurück, seitdem Supermärkte und andere Geschäfte dafür häufig Geld nehmen. Weiterhin kostenlos sind jedoch die dünnen Beutel für Obst oder Gemüse.

Plastik im Meer - Erst vergiften wir den Ozean, dann uns selbst Millionen Tonnen Kunststoff landen jedes Jahr im Meer und schaden Tieren und der Natur. Als Mikropartikel atmen wir ihn auch ein. Ein Erklärvideo © Foto: youtube.com/cheeseandjamsandwich

Die Bundesregierung will erreichen, dass nur noch sortierter und gut recycelbarer Kunststoffabfall ins Ausland verkauft werden darf. Hintergrund sind Berichte über Plastikvermüllung in Ländern wie Malaysia oder Indonesien, in die auch deutsche Unternehmen Abfall exportieren.

Ende März hatte das EU-Parlament zudem für ein Verbot von Wegwerfprodukten gestimmt. Die Richtlinie soll dazu beitragen, dass die Meere weniger vermüllt werden. Vom europäischen Markt verschwinden sollen ab 2021 zunächst nur Produkte, für die es bereits Alternativen gibt. Dazu gehören unter anderem Plastikteller und -besteck sowie Strohhalme, Luftballonstäbe und Wattestäbchen aus Kunststoff.

Keine Plastiktüten mehr in Mexiko-Stadt

In Mexiko-Stadt dürfen ab Ende 2020 keine Einwegplastiktüten mehr benutzt werden. Ab Januar 2021 sollen auch Plastikgeschirr, Strohhalme und Luftballons verboten werden. Das entschied das Stadtparlament in Mexiko-Stadt.

Geschäfte und Unternehmer haben nun mehr als ein Jahr Zeit, auf biologisch abbaubare Produkte umzusteigen. Abgeordnete sagen, angesichts der Menge an Müll in der Stadt sei die Maßnahme notwendig, damit sich Unternehmen auf umweltfreundlichere Produkte umstellen. Welche Strafen bei Verstößen drohen, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Die Abgeordnete Alessandra Rojo de la Vega, die die Initiative angestoßen hatte, nannte das Verbot "einen Wendepunkt in der Umweltpolitik", der "anderen Regionen des Landes als Beispiel dienen wird".