In der Debatte um das Video des YouTubers Rezo gegen die CDU hat Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer die Klimapolitik der Union verteidigt. "Die Sicht, als hätten wir noch nie etwas für Umwelt- und Klimaschutz geleistet, ist – vorsichtig formuliert – einseitig", kritisierte Kramp-Karrenbauer im Interview mit Focus Online.

Das erste Gesetz, das einen gewissen Vorrang für grünen Strom festgelegt habe, stamme aus dem Jahr 1991, sagte Kramp-Karrenbauer. Daneben verweist sie auf den Kohleausstieg, der in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen vereinbart worden sei, und auf konkrete Klimaschutzgesetze, die die große Koalition bis Ende des Jahres vorlegen wolle.

In seinem Video wirft Rezo der CDU unter anderem vor, mit ihrer Klimapolitik die Zukunft zu zerstören. Auch gebe es eine "krasse Inkompetenz" beim Thema Urheberrecht und Drogenpolitik. Zudem mache die Partei Politik für Reiche. Das Video wurde bis Freitagmittag sieben Millionen Mal aufgerufen.

YouTube - Offener Brief der CDU an Rezo Die CDU hat einen offenen Brief an den YouTuber Rezo veröffentlicht. Dieser hatte in einem millionenfach geklickten Video Kritik an der Partei geübt. © Foto: privat/dpa

Unterstützung erhält Rezo von anderen YouTubern: Auf dem Kanal des 26-Jährigen erschien ein knapp dreiminütiges Statement, in dem er und etwa 30 andere YouTuber sich äußern. Darin heißt es unter anderem: "Wählt nicht die CDU/CSU, wählt nicht die SPD. Wählt auch keine andere Partei, die so wenig im Sinne von Logik und der Wissenschaft handelt und nach dem wissenschaftlichen Konsens mit ihrem Kurs unsere Zukunft zerstört. Und wählt schon gar nicht die AfD, die diesen Konsens sogar leugnet." Angehängt ist eine "Liste von Unterzeichnern". Darin tauchen einige der reichtweitenstärksten deutschen YouTuber auf, darunter Julien Bam, Dagi Bee oder LeFloid.

Kramp-Karrenbauer räumt Fehler ein

Mit Blick auf Inhalt und Ton des Videos sagte Kramp-Karrenbauer in dem Interview, dass man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen dürfe. "Dass man mit politisch hoch korrekter Sprache junge Leute nicht erreicht, ist klar." Und dass ein 26-Jähriger klage, es sei ihm alles nicht radikal genug, gehöre zu den Vorrechten der jüngeren Generation.

Zugleich räumte Kramp-Karrenbauer Fehler im Umgang mit dem Video ein. "Ich gebe zu, dass wir zu lange gebraucht haben, um darauf zu reagieren." Es sei aber manchmal besser, "noch einmal Luft zu holen und sich zu fragen, welcher Ton und welcher Stil der Verantwortung der Volkspartei CDU entsprächen".

Die CDU hatte als Reaktion auf die kritischen Äußerungen ursprünglich ein Video mit dem jungen Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor geplant. Die Veröffentlichung wurde dann aber abgesagt.