Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel will offenbar seine politische Laufbahn beenden. Das berichtet der Berliner Tagesspiegel. Demnach hat Gabriel bereits Anfang Mai die drei Vorsitzenden seiner regionalen SPD-Kreisverbände darüber informiert, dass er nicht mehr für den deutschen Bundestag kandidieren wolle.

Wie der Tagesspiegel weiter schreibt, hat Gabriel schon vor längerer Zeit beschlossen, kein politisches Amt mehr zu bekleiden. Um den Wahlkampf nicht zu stören, wollte er seine Entscheidung aber erst nach der Europawahl am 26. Mai verkünden. Dass die Funktionäre seines Kreisverbandes vorab Kenntnis bekamen, sollte ihnen Zeit geben, um eine neue Kandidatin oder einen Kandidaten zu finden. Gabriel wollte sich dem Tagesspiegel zufolge nicht zu den Gerüchten äußern.

Doppelt so viele Stimmen wie die Bundes-SPD

Der 59-Jährige war 1977 in die SPD eingetreten und seit 2005 Mitglied des Bundestages. Er war unter anderem Wirtschafts- und Außenminister. Der SPD-Politiker gewann in seinem Wahlkreis Wolfenbüttel jahrelang das Direktmandat. Bei der Bundestagswahl 2017 erreichte er 42,8 Prozent der Erststimmen. Seine Partei kam bundesweit gerade einmal auf 20,5 Prozent.

Alle Versuche der regionalen SPD-Vertreter, den früheren Vorsitzenden umzustimmen, waren laut Tagesspiegel gescheitert. "Wir bedauern das sehr, weil es schwer werden wird, seine Ergebnisse zu halten. Aber man kann schon verstehen, dass er sich das Theater in Berlin nicht länger antun will", sagte einer der Teilnehmer demnach. Die Frage, ob Gabriel sein Bundestagsmandat bis zum Ende der Wahlperiode beibehält oder früher ausscheidet, sei bei dem Gespräch auch thematisiert, aber nicht endgültig entschieden worden.

Hinweis: Sigmar Gabriel ist Autor der Holtzbrinck-Gruppe, zu der auch der "Tagesspiegel", DIE ZEIT und ZEIT ONLINE gehören. Er war von 2009 bis 2017 Vorsitzender der SPD.