So sieht die politische Landkarte nach Auszählung der Europawahl auf Kreisebene in Deutschland aus. Gab es bei der Wahl vor fünf Jahren noch das klassische Muster der Volksparteienfarben in CDU-Schwarz und SPD-Rot (ergänzt durch kleine Farbtupfer der Linkspartei im Osten), sieht die neue Landkarte gänzlich anders aus: Deutschland ist bunter geworden, oder anders gesagt: auch gespaltener. Die Grünen kommen in Schleswig-Holstein sowie in Hamburg und München auf Platz eins und lösen die SPD als Hauptkonkurrent der Union ab. In der Bundeshauptstadt Berlin wurde die Ökopartei erstmals bei einer bundes- oder landesweiten Wahl stärkste Kraft.

Eindrücklich zeigt die neue Farbenlehre auf der Wahlkarte, wie gespalten das Land politisch ist: Während 2014 in Brandenburg noch viele Kreise im SPD-Rot aufleuchteten, sieht man hier nun auch das dominierende Blau der AfD. Die Rechtspopulisten haben bei der Europawahl bundesweit zwar schlechter als erwartet abgeschnitten – aber in Brandenburg und Sachsen wurden sie stärkste Kraft. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wählte jeder Dritte die AfD (32,9 Prozent). Die Linkspartei blieb mit 5,5 Prozent hinter ihren Erwartungen zurück. Ihre stärkste Bastion bleibt der Osten: Im thüringischen Suhl holte sie 19,5 Prozent. Die FDP kann ihr Ergebnis von 2014 verbessern. Sie kommt nun auf 5,4 Prozent (zuvor 3,4 Prozent). Die liberalen Hochburgen sind in den alten Bundesländern zu finden.

Da es bei der Europawahl keine Sperrklausel gibt, haben auch die kleinen Parteien gute Chancen, Mandate zu erobern. Das macht sie für die Wählerinnen und Wähler attraktiv. Sie kommen zusammen auf 12,9 Prozent – knapp fünf Prozent mehr als vor fünf Jahren. Sieben Parteien konnten Mandate fürs Europaparlament erringen: Die Freien Wähler und Die Partei holten jeweils zwei Sitze. Die Piratenpartei, die Tierschutzpartei, Volt, die ÖDP und die Familien-Partei errangen je einen Sitz.