Das Gefühl von Polizistinnen und Polizisten, dass ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird, ist so alt wie die Polizei. Das zeigen Gespräche mit Betroffenen und mit Politikern und so sehen es auch Experten wie Rafael Behr von der Polizeiakademie Hamburg. "Die Polizisten gelten einerseits als unsere Helden, andererseits werden sie nicht geliebt, das ist ein Dauerthema", sagt der Polizeiforscher.

Damit lässt sich Politik machen. Die AfD sieht sich als Interessenvertreter von Sicherheitsbeamten. Doch verfängt das wirklich unter Polizistinnen und Polizisten, wie es der CDU-Politiker Friedrich Merz an diesem Wochenende behauptet hat? Merz hatte angeregt, dass seine Partei den Beamten unter anderem mehr Wertschätzung entgegenbringen müsse.

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel konstatierte postwendend, es sei kein Wunder, dass die Beamten der "kaputtgesparten Polizei ...  in großer Zahl den hierfür verantwortlichen Politikern und Parteien den Rücken kehren". Dabei haben alle Parteien Verbesserungen für die Polizei in ihren Wahlprogrammen niedergeschrieben.

Eine Antwort auf die Frage nach der Nähe von AfD und Polizei erfordert daher mehrere Blickwinkel:

Die AfD sieht sich als Partei für Beamte aus allen Behörden. In der 91-köpfigen AfD-Bundestagsfraktion sitzen sechs Polizisten und eine Polizistin sowie ein ehemaliger Polizeiausbilder, ähnlich viele Soldaten gibt es hier. Auch in den Landtagen engagieren sich Polizisten für die AfD: Der sächsische Landtagsabgeordnete und Polizist Sebastian Wippel kandidierte jüngst als Oberbürgermeister in der ostsächsischen Kreisstadt Görlitz – und verlor nur knapp. In den Parlamenten macht sich die AfD für die Beamten stark, fordert Wertschätzung, bessere Ausstattung, mehr Eingriffsrechte, Schutz vor vermeintlichen linksextremistischen Angriffen. 

Polizisten leben mit einem Stigma

Umgekehrt ist das Bild weniger eindeutig. Chefs mehrerer Polizeigewerkschaften attestieren ihren Beamten zwar eine zunehmende Affinität zu Rechtspopulisten und einen Mangel an "Verfassungspatriotismus" (GdP-Vize Jörg Radek). Fachleute aber zweifeln. Für Deutschland lasse sich das nicht sicher nachweisen, sagt der Strafrechtsprofessor Tobias Singelnstein von der Ruhr-Universität Bochum. Eine mögliche Nähe von Polizeibeamten zur rechten Szene sei schon in der Zeit diskutiert worden, in der die Republikaner noch aktiv waren. Aktuelle Studien gebe es dazu keine, sagt der Hamburger Polizeiwissenschaftler Behr.

Der Polizistenalltag sei sicherlich geprägt durch eine stete Unzufriedenheit mit den Dienstherren, sagt Behr. "Polizisten leben mit dem Stigma, nicht wertgeschätzt zu werden." Denn irgendwo hakt es immer, meist fehlt es an Ausstattung, an Personal. Die Unzufriedenheit mündet manchmal sogar in Justizschelte: Als ein Gericht in Rheinland-Pfalz 2012 die Personenkontrolle eines Schwarzen allein wegen dessen Hautfarbe für unzulässig erklärte, bemängelte der Polizei-Gewerkschaftsfunktionär Rainer Wendt polemisch, die Richter betrieben "schöngeistige Rechtspflege, aber richten sich nicht an der Praxis aus".

"Solche Kritik beeinflusst die Stimmung in den Polizeiwachen", sagt Polizeiwissenschaftler Behr. Hinzu kommt für Polizistinnen und Polizisten die sogenannte Vergeblichkeitserfahrung, wie Behr erläutert: Im Alltag erleben sie oft, dass von ihnen festgesetzte Täter durch Richterentscheidungen bald wieder freikommen, dass der gewalttätige Ehemann weiter prügelt. Das nagt bei vielen am Vertrauen in den Rechtsstaat. "Eine Partei, die diese Unzufriedenheit aufnimmt und Besserung verspricht, hat leichtes Spiel", sagt Behr.