Auf den Führungsposten in den obersten Behörden der Bundesrepublik – den 14 Bundesministerien und zehn weiteren Ämtern – arbeiten lediglich 34 Prozent Frauen. Das geht aus dem Gleichstellungsindex 2018 hervor, den das Statistische Bundesamt im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlicht hat. In einer Pressemitteilung des Ministeriums hieß es, es bestehe weiter großer Nachholbedarf.

Demzufolge gab es keine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil an Frauen in leitender Funktion sei im Vergleich zum Jahr 2017 unverändert – weiterhin seien zwei von drei Führungspositionen mit Männern besetzt. Und dieses Ungleichgewicht sei die Regel: 22 der 24 obersten Bundesbehörden beschäftigten weniger Frauen als Männer in Leitungsfunktionen. Im Vergleich zum Jahr 2015 habe sich der Frauenanteil um nur 1,7 Prozent erhöht.

Es gibt viele qualifizierte und ambitionierte Frauen im öffentlichen Dienst. Dies muss sich endlich auch in den Führungspositionen widerspiegeln.
Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Familie und Frauen

In zehn der untersuchten Behörden sei der Frauenanteil in Führungspositionen 2018 im Vergleich zum Vorjahr sogar noch einmal gesunken, sagte Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Familie und Frauen. Die Ministerin forderte mehr Anstrengung vonseiten der Bundesbehörden: "Wenn wir von der Wirtschaft mehr Frauen in Führungspositionen fordern, müssen wir auch in der Bundesregierung mit gutem Beispiel vorangehen." Die Regierung habe sich im Koalitionsvertrag dazu verpflichtet, bis 2025 die "gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Leitungsfunktionen des öffentlichen Dienstes" sicherzustellen. "Es gibt viele qualifizierte und ambitionierte Frauen im öffentlichen Dienst. Dies muss sich endlich auch in den Führungspositionen widerspiegeln", sagte Giffey.

Neben den Bundesministerien werden unter anderem das Bundespräsidialamt, die Bundestagsverwaltung, das     Sekretariat des Bundesrates, der Bundesrechnungshof, das Bundeskanzleramt oder das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung als oberste Bundesbehörden bezeichnet.

Allgemein seien Frauen auch im höheren Dienst, also auf der höchsten Beamtenstufe, weiterhin unterrepräsentiert, hieß es in der Mitteilung des Familienministeriums: 2018 waren 45 Prozent der Beschäftigten im höheren Dienst weiblich.

Der Gleichstellungsindex wurde anhand von Daten aus dem Zeitraum zwischen Juli 2017 und Juni 2018 erstellt.

Recherchen von ZEIT ONLINE hatten bereits im Oktober 2018 gezeigt, wie systematisch Frauen in der Bundesregierung von der Macht ferngehalten werden. So wurde in der Geschichte der Bundesrepublik von damals 692 beamteten Staatssekretären in 668 Fällen ein Mann für dieses Amt ausgewählt. Nur 24 Mal nominierten die zuständigen Minister und Ministerinnen eine Frau. Zieht man Frauen ab, die mehrfach ernannt wurden, dann gab es seit 1949 insgesamt nur 19 beamtete Staatssekretärinnen. In derselben Zeit wurden 24 Männer Staatssekretäre, die den Vornamen Hans trugen, und 18, die Karl hießen. Es gab also in 69 Jahren Bundesrepublik mehr Männer namens Hans in dieser wichtigen Funktion als Frauen. ZEIT ONLINE titelte deshalb auch: "Die Hans-Bremse".