Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will bis zum Jahresende ein gesetzliches Verbot sogenannter Konversionstherapien für Homosexuelle durchsetzen. Das kündigte er bei der Vorstellung zweier wissenschaftlicher Gutachten an, die diese Pläne stützen: Die Gutachten zeigten, dass es medizinisch geboten und verfassungsrechtlich möglich sei, solche Therapieangebote zu verbieten, sagte Spahn. "Homosexualität ist keine Krankheit und damit nicht behandlungsbedürftig."

Der Ansatz der sogenannten Konversions- oder auch Reparativtherapien wird insbesondere von Vertreterinnen und Vertretern christlich-evangelikaler Kirchen befürwortet. Viele Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaften vertreten die Auffassung, Homosexualität sei eine psychische Erkrankung und deshalb heilbar. Der Weltärztebund sprach sich bereits im Jahr 2013 gegen derartige Therapien aus und wies darauf hin, dass Umpolungsversuche nicht nur unwirksam seien, sondern sich auch negativ auf die Gesundheit auswirken könnten. Im März des vergangenen Jahres verurteilte eine Mehrheit des EU-Parlaments diese Therapien.

Spahn hatte im Frühjahr eine Expertenkommission zu dem Thema eingesetzt. Die Kommission, die fachlich von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld begleitet wird, kommt nach Angaben des Ministers zu demselben Ergebnis wie die zwei wissenschaftlichen Gutachten: Ein Verbot sei aus medizinischer Sicht erforderlich und rechtlich möglich. Ein Abschlussbericht der Kommission soll Ende August veröffentlicht werden.

Die Magnus-Hirschfeld-Stiftung geht von rund 1.000 Fällen pro Jahr in Deutschland aus, in denen versucht wird, homosexuelle Menschen durch fragwürdige Methoden umzuerziehen. Das reiche vom familiären Umfeld, Coaches und Therapeuten über Gebete bis hin zu Exorzismus, sagte Jörg Litwinschuh-Barthel von der Magnus-Hirschfeld-Stiftung. Die Folgen seien Depressionen und Suizide, ebenso wie Diskriminierung und Stigmatisierung. In den USA liegen die Zahlen deutlich höher. 

Spahn strebt nun zügige Gespräche mit dem Bundesjustizministerium an, um den Gesetzentwurf für ein Verbot dieser Angebote voran zu bringen. Infrage komme eine Ahndung als Ordnungswidrigkeit, unter Umständen auch eine strafrechtliche Verfolgung. Auch die Bundesländer hatten sich schon für ein Verbot von Konversionstherapien ausgesprochen. Im Mai hatte der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu prüfen.