Altbundespräsident Joachim Gauck hat die Kritik an seiner Äußerung über "Toleranz in Richtung rechts" zurückgewiesen. "Die teilweise heftigen Reaktionen auf diese Forderung zeigen mir, dass es einigen gar nicht um Debatten geht, sondern einfach um die Sicherung alter Denkweisen und Milieusicherheiten", sagte er dem Nachrichtenportal t-online.de. Er plädiere für eine "weite Bandbreite des politischen Diskurses".

Gauck hatte in einem Spiegel-Interview gefordert, "nicht jeden, der schwer konservativ ist, für eine Gefahr für die Demokratie zu halten und aus dem demokratischen Spiel am liebsten hinauszudrängen." Es müsse zwischen rechts im Sinne von konservativ und rechtsextremistisch oder rechtsradikal unterschieden werden.

Gauck sagte, er halte es für einen "problematischen Weg", dass die Wahl von AfD-Abgeordneten zum Vizepräsidenten des Bundestages von der Parlamentsmehrheit blockiert werde. Gegenüber t-online.de sagte er, solange die AfD nicht verboten sei, "sollten wir ihren Mitgliedern und Anhängern im Sinne der kämpferischen Toleranz vor allem mit Argumenten begegnen".

Dass es in der Partei "verkappte Nazis" und "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" gebe, sei "nicht hinnehmbar". Allerdings müsse auch gefragt werden, ob es AfD-Mitglieder und -Anhänger nicht in eine "Trotzreaktion" treibe, wenn die ganze Partei "aus der kämpferischen Toleranz" ausgeschlossen und zum Feind erklärt würde.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte dem MDR, Gauck habe "eigentlich Selbstverständlichkeiten" ausgesprochen. Die von Gauck geforderten Unterscheidungen müssten natürlich möglich sein. "Rechtsextrem oder linksextrem – das sind die Positionen, wo der Staatsanwalt kommt, wo wir mit aller Härte des Gesetzes auch dagegen vorgehen müssen." Dazwischen müsse aber "jede Diskussion und Auseinandersetzung möglich sein".

Die kommissarische SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, sie glaube nicht, dass Gauck mit seiner Forderung recht habe. "Ein großer Teil der Bürgerinnen und Bürger denkt und wählt anders als die Anhänger der AfD." Diesen Menschen sei wichtig, dass "die Werte, die dieses Land ausmachten, gegen diejenigen verteidigt würden, die sie in Frage stellten".