Klimaschutz sei keine nationale Angelegenheit, sagt Außenminister Heiko Maas (SPD). Gemeinsam mit den beiden Leitern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer und Johan Rockström, beschreibt er in einem Gastbeitrag, in welche Richtung er den Kampf gegen Klimawandel verstärken will.  

Seit Jahren hören wir, dass die Klimakrise eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit ist. In Studien, Politikerreden, auf internationalen Konferenzen. Doch sind wir ehrlich: Den Worten folgten kaum Taten. Nun finden all die Studien und Reden ihr Echo an unerwarteter Stelle: Es sind junge Menschen im Internet und demonstrierende Schülerinnen und Schüler, die den Klimawandel wirklich zum Thema Nummer eins in Deutschland gemacht haben. Die Botschaft, die uns jeden Freitag entgegenschallt, ist eindeutig: Macht uns unsere Zukunft nicht kaputt! Fangt endlich an umzusetzen, was 190 Staaten im Pariser Abkommen versprochen haben!

Und die Wissenschaft gibt den jungen Menschen recht: Wenn wir nicht rasch handeln, steigen die Risiken. Die globale Temperatur könnte langfristig um bis zu fünf Grad Celsius steigen, im Vergleich zu vorindustriellen Werten. Uns droht eine Heißzeit mit kaum zu beherrschenden Folgen. Der Mensch ist zur geologischen Kraft geworden – und das ist nichts, worauf wir stolz sein können.

Im vergangenen Jahr hat uns die Erde eine hohe Rechnung dafür ausgestellt: Der Dürresommer in Deutschland, Regenfluten in Japan, Hurricanes in der Karibik, Waldbrände in den USA. Wetterextreme treffen Menschen weltweit, zerstören Leben, bedrohen Existenzen, verschlingen Unsummen an Geld.

Wir müssen dagegen vorgehen. Jetzt. Das Umsteuern ist keine Aufgabe einzelner politischer Parteien, einzelner Generationen oder einzelner Länder. Es ist eine globale Kraftanstrengung, bei der Deutschland führen muss. Wenn Frankreich, unser engster Partner in Europa, ambitionierte Vorschläge macht, dann dürfen wir nicht auf der Bremse stehen. Im Gegenteil: Wir Europäer müssen gemeinsam Tempo machen – gerade wenn andere ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen infrage stellen. Treibhausgasen einen fairen Preis geben ist dafür ein zentrales Instrument – und dies weltweit und in verschiedenen Entwicklungskontexten: Klug eingesetzt, können die dadurch gewonnenen Mittel Stabilität und Entwicklung befördern – durch Investitionen in Gesundheitsvorsorge und nachhaltige Infrastruktur.

Der Klimawandel gehört ganz oben auf die internationale Agenda. Klimaschutz muss zum neuen Imperativ der Außenpolitik werden. Denn bereits heute sind die sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels gravierend. Die Stabilität ganzer Weltregionen steht auf dem Spiel.

Im Mittelmeerraum, im Nahen Osten und in Mittelamerika wird Wasser immer knapper. Landwirtschaft und Fischerei müssen sich auf sinkende Erträge einstellen. Wo die Lebensgrundlagen von Menschen bedroht sind, sind Konflikte vorgezeichnet. Flucht und Migration könnten sich in kaum beherrschbarer Weise verstärken.

Call for Action

Außen- und Sicherheitspolitik müssen hierauf Antworten geben. Deshalb gehen Wissenschaftler und Politiker gemeinsam neue Wege. Wir analysieren, wie Klimafolgen Konflikte verstärken, um früher reagieren zu können. Dem dient auch ein Frühwarnsystem für die besonders betroffene Sahel-Region, welches das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung mit Unterstützung des Auswärtigen Amts entwickelt.

Und wir werben international um Verbündete. Deshalb hat Deutschland die sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels zu einem Schwerpunkt seiner Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gemacht, unterstützt durch eine Freundesgruppe aus 50 Staaten und allen Kontinenten. Und deshalb bringen wir heute in Berlin Verantwortliche aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft aus mehr als 25 Ländern zusammen. Dort werden wir einen Call for Action – einen Aufruf zum gemeinsamen Handeln – starten. Ziel ist es, konkrete Lösungen zu finden, um die vielfältigen Sicherheitsrisiken des Klimawandels möglichst gezielt abzumildern.

Die Uhr tickt. Immer mehr Menschen verstehen das. Das ist ein gutes Zeichen. Und auch wir haben das verstanden und werden entsprechend handeln. Noch ist es nicht zu spät.