Noch ist unklar, ob die Koalition aus Union und SPD weiterregieren wird. Viele Politiker haben sich dafür ausgesprochen. Auch Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner hat nach eigenen Angaben den Eindruck, dass die große Koalition ihre Arbeit fortsetzen wolle, "obwohl sie ziemlich morsch geworden ist", sagte er dem Südwestrundfunk. Kellner schloss, wie viele seiner Parteikollegen zuvor, eine Regierungsbeteiligung der Grünen ohne Neuwahl aus.

Ein Jamaika-Bündnis sieht er sehr kritisch: Die FDP sei "in ihren Vorstellungen sehr weit weg von unseren" – gerade in der Klima- und Umweltpolitik. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hatte im ZDF gesagt, die Liberalen präsentierten sich als "die größten Klimaschutzgegner, die man sich vorstellen kann". Daher sei das Votum der Wähler nötig, "da kann man nicht sagen, da switcht man mal einfach um".

Nach der Bundestagswahl 2017 waren Sondierungen für ein Jamaika-Bündnis auf Bundesebene gescheitert: Die FDP ließ die Beratungen mit CDU/CSU und Grünen mit dem inzwischen berühmt gewordenen Satz "Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren" platzen. Nach derzeitigem Umfragestand wäre bei Neuwahlen des Deutschen Bundestags möglicherweise auch gar kein Dreierbündnis mehr erforderlich: Dank der Stärke der Grünen kämen sie zusammen mit der Union auf eine Regierungsmehrheit.

Altmaier: Neuwahl wäre "Offenbarungseid"

Von Neuwahlen geht die CDU allerdings bislang nicht aus. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) appellierte an die SPD, die Koalition fortzusetzen. "Ich würde mich schämen, zum jetzigen Zeitpunkt in eine Neuwahl zu gehen, denn das wäre ein Offenbarungseid der Politik", sagte er der ZEIT. Es sei "ein Beitrag zur Politikverdrossenheit", wenn das Land ein weiteres Jahr durch Wahlkampf und Regierungsbildung verlöre.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach dem Rücktritt von SPD-Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles angekündigt, die Regierungskoalition mit den Sozialdemokraten fortführen zu wollen. "Wir werden die Regierungsarbeit fortsetzen mit aller Ernsthaftigkeit und vor allen Dingen auch mit großem Verantwortungsbewusstsein", sagte sie.

Altmaier sprach sich auch dafür aus, das klimapolitische Profil der Union zu schärfen. "Wir sind beim Klimaschutz zu spät in die Gänge gekommen, weil wir zu lange mit uns selbst beschäftigt waren – und auch weil wir uns viel zu sehr auf das konzentriert haben, was im Koalitionsvertrag steht. Das war ein Fehler. Wir werden in der Union bis zum Herbst definitiv klären, wie wir die Klimaziele des Jahres 2030 erreichen wollen", sagt er. Dabei werde auch über eine CO2-Steuer diskutiert. Das SPD-geführte Umweltministerium wollte ein Klimaschutzgesetz bereits auf den Weg bringen, was das Kanzleramt bislang blockiert hatte.