Die Grünen und die Linkspartei in Bremen haben für gemeinsame Koalitionsverhandlungen mit der SPD gestimmt. Der Parteivorstand der Grünen fasste den Beschluss mit einer Mehrheit von 94 Prozent. Auf dem Landesparteitag der Linken stimmte eine Mehrheit der Delegierten ebenfalls dafür. Für die Linke wäre es die erste Regierungsbeteiligung in einem westdeutschen Bundesland.

Zuvor warb der Landesvorstand der Linken bereits für Koalitionsverhandlungen mit den Grünen und der SPD. "Unser Eindruck war: Ja, wir können etwas bewegen", sagte die Linke-Fraktionsvorsitzende Kristina Vogt. Für die SPD soll am Freitag der Landesvorstand über Koalitionsverhandlungen entscheiden. Mit dem Beginn der Verhandlungen wird in der kommenden Woche gerechnet.

Bei der Bremer Bürgerschaftswahl am 26. Mai war die CDU nach mehr als sieben Jahrzehnten erstmals stärkste Kraft geworden. Ihr Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder hätte die Chance, erster CDU-Regierungschef in Bremen zu werden. Die Entscheidung über die Regierungsbildung lag jedoch bei den erstarkten Grünen. "Die größte Übereinstimmung gibt es bei Rot-Grün-Rot", sagte die Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin Maike Schaefer. "Wir wollen das Herz dieser Koalition sein."

Der mögliche Eintritt der Linkspartei in die Regierung wurde begrüßt und kritisiert: Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, sieht den Vorschlag als positives bundespolitisches Signal. Dagegen sagte die FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg: "Dass die Grünen in Bremen jetzt ein Bündnis mit den abgewählten Sozialdemokraten und den Linken anstreben, ist schlecht für Bremen."

Die Grünen hatten auch mit CDU und FDP sondiert. Am Ende sei aber fehlendes Zutrauen in die Veränderungsfähigkeit der FDP ein Grund gegen Jamaika gewesen, sagte Grünen-Landeschef Hermann Kuhn. Die Grünen stünden für eine "Koalition der linken Mitte", sagte er.

Mit Rot-Grün-Rot könnte die Bremer SPD um den Bürgermeister Carsten Sieling trotz ihres historisch schlechten Ergebnisses an der Regierung bleiben. Die neu gewählte Bremische Bürgerschaft soll zum ersten Mal am 3. Juli zusammentreten.