Wegen eines gemeinsamen Videos mit einem führenden Nestlé-Manager muss sich Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) rechtfertigen. Zahlreiche Userinnen und User warfen Klöckner etwa auf Twitter vor, dass diese sich von dem umstrittenen Lebensmittelkonzern für PR-Zwecke ausnutzen lasse. Unter den Kritikern sind auch prominente Politikerinnen und Politiker wie Grünenfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt und der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach.

Das Video war am Montag vom Landwirtschaftsministerium auf Twitter veröffentlicht worden. Darin tritt Klöckner gemeinsam mit Nestlés Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch auf und lobt das Unternehmen dafür, dass es den Zucker-, Salz- und Fettgehalt seiner Lebensmittel reduziert habe.

Viele Nutzerinnern und Nutzer reagierten empört und sprachen von Schleichwerbung. Der SPD-Politiker Lauterbach twitterte: "Klöckner lässt sich von Nestlé-Lobbyisten erst die Zuckersteuer und die Lebensmittelampel abverhandeln und tritt dann bei PR-Event von Nestlé auf." Dieser Vorgang sei "peinlich, ja bitter". Grünenfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warf der Ministerin vor, sie habe ein "Werbevideo" für Nestlé gedreht.

Klöckner verteidigte das Video und bezeichnete die Kritiker als "Hatespeaker". Dass Unternehmen Ziele für bessere Nahrungsmittel umsetzten, sei ein Erfolg. Das Ministerium äußerte zwar Verständnis für die Kritik, steht aber zu dem Treffen mit dem Nestlé-Chef: "Politik heißt, im Gespräch zu bleiben", hieß es in einem weiteren Tweet.

Umweltverschmutzung und Privatisierung von Grundwasser als Vorwürfe

Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé wird vor allem von Umweltschützern kritisiert. 2010 hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace das Unternehmen beschuldigt, mit der Verwendung von Palmöl zum Anlegen der Plantagen und der Zerstörung von Regenwald beizutragen. Nestlé hatte daraufhin zugesagt, bis 2020 nur noch Palmöl aus nachhaltiger Produktion zu nutzen.

Im Dokumentarfilm Bottled Life (2012) wurde Nestlé vorgeworfen, in Weltregionen, die unter Dürre leiden, Geschäfte mit Grundwasser zu machen. Dieses würde gereinigt und dann in Plastikflaschen teuer verkauft. In Pakistan sei das Unternehmen für die Austrocknung einer Region mitverantwortlich.

Nestlé hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und mitgeteilt, der Film zeige ein verzerrtes Bild und manipuliere die Zuschauer. Das Unternehmen habe in der Region Lahore in Pakistan nur zwei Tiefbrunnen, während dort 680.000 Brunnen für die Bewässerung der Landwirtschaft sowie Industrie und die kommunale Wasserversorgung genutzt würden.