Im Bayerischen Landtag hat ein AfD-Politiker mit seinem Verhalten Empörung ausgelöst. Während des Gedenkens an den ermordeten CDU-Politiker Walter Lübcke waren alle Abgeordneten aufgestanden. Nur der AfD-Abgeordnete Ralph Müller blieb sitzen. Erst zum Ende der rund zweieinhalbminütigen Rede von Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) für den Kasseler CDU-Kommunalpolitiker erhob er sich. 

Während alle anderen Parlamentarier hinter Müllers Verhalten eine politische Botschaft vermuteten, sah dieser sich zu Unrecht kritisiert: "Diese moralingetränkte Hexenjagd weise ich zurück, weil sie auch nicht angebracht ist", sagte Müller. Dass er "ein paar Sekunden" sitzen geblieben sei, sei einzig einer Unachtsamkeit geschuldet, da er einen Text gelesen habe. "Ich kann in dem Verhalten keine Schuld sehen." Anders als von seinen Kritikern behauptet, habe er das Andenken an Lübcke sehr wohl geehrt und achte ihn mit Respekt.

Für die Redner von CSU, Grünen, FDP und SPD war dies nur eine Ausrede. "Diese AfD und ihre Vertreter sind eine Schande für den bayerischen Landtag", sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume. Die AfD habe die Hetze gegen Lübcke mit angefacht und trage daher eine Mitschuld an der Ermordung von Lübcke, sagte Grünenfraktionschefin Katharina Schulze. "Ich fand es widerlich, was Sie gemacht haben."

Als Konsequenz ermahnte Landtagspräsidentin Aigner Müller, sich öffentlich für sein Fehlverhalten zu entschuldigen.

Auch innerhalb der AfD-Landtagsfraktion sorgte Müllers Verhalten für Kritik. Der Abgeordnete Franz Bergmüller warf seinem Fraktionskollegen vor, der Fraktion "schwer geschadet" zu haben.

Müller entschuldigte sich erst nach der vielfachen Kritik im Verlauf der Plenarsitzung. "Ich entschuldige mich ausdrücklich für dieses Verhalten", sagte der AfD-Abgeordnete. "Und ich entschuldige mich auch dafür, wenn dabei der Eindruck entstanden sein sollte, dass ich dem Ermordeten oder seiner Familie in irgendeiner Weise nicht die nötige Hochachtung gebührend gewährleisten wollte." Er habe eine geplante Rede überarbeiten müssen. Das sei einer der Gründe für seine Unachtsamkeit gewesen.

Die erst seit der Landtagswahl im Oktober im bayerischen Landtag vertretene AfD-Fraktion gilt als zerstritten. Ihr erster Fraktionschef hat die Partei verlassen. Um die als Vertraute des AfD-Rechts-außen Björn Höcke geltende Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner gibt es großen Streit. Nach einem Bericht im Münchner Merkur war eine Vertrauensfrage über die Fraktionsspitze am Montag mit zehn zu zehn unentschieden ausgegangen.