Einem Bericht des RedaktionsNetzwerks Deutschland zufolge hat eine Gruppe von Rechtsextremisten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zahlreiche Anschläge auf politisch Andersdenkende geplant. Das hat das RedaktionsNetzwerk aus Kreisen des Bundesamtes für Verfassungsschutz erfahren.

Offenbar sollen die Pläne der Gruppe bereits fortgeschritten sein: Nach dem Medienbericht hatten Mitglieder der Neonazigruppe vor, rund 200 Leichensäcke und Ätzkalk zu bestellen.

Die Bundesanwaltschaft soll wegen des Verdachts der Vorbereitung einer terroristischen Straftat seit August 2017 gegen Mitglieder des Netzwerkes mit dem Namen Nordkreuz ermitteln. Der Generalbundesanwalt habe einen Antrag auf erweiterte Überwachungsmaßnahmen gegen die rechtsextremistische Gruppe gestellt. Wenn in das Fernmelde-, Brief- und Postgeheimnis eingegriffen werden soll, muss eine Kommission des Bundestages eine Genehmigung erteilen. Deshalb habe der Verfassungsschutz den Bundestag über eine entsprechende Materialliste in Kenntnis gesetzt, auf der Rechtsextremisten Bestelladressen, Kontakte und Wohnungsbeziehungen vermerkt hätten. 

Nach Angaben des RedaktionsNetzwerks Deutschland gehören der Gruppe mit dem Namen Nordkreuz mehr als 30 sogenannte Prepper an. So bezeichnet man Menschen, die sich auf eine Katastrophe vorbereiten und beispielsweise Lebensmittelvorräte einlagern, häufig aber auch Waffen horten. Die Gruppe soll sich über den Messengerdienst Telegram ausgetauscht haben.

Viele der Mitglieder sollen aus dem Umfeld von Bundeswehr und Polizei stammen: Darunter sollen auch mehrere ehemalige und ein aktiver Beamter des Sondereinsatzkommandos des LKAs sein, die Munition beiseite geschafft haben sollen. Gegen drei Männer ermittelt die Staatsanwaltschaft Schwerin deshalb parallel. 

Ermittlungen hätten ergeben, dass die Rechtsextremisten – mithilfe von polizeilichen Dienstcomputern – Listen mit rund 25.000 Namen politischer Gegner erstellt hätten. In den meisten Fällen handele es sich um Lokalpolitikerinnen und -politiker von SPD, Grünen, Linken und CDU, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagierten. Die Nordkreuz-Mitglieder sollen in den Gemeinden der Gegend systematisch nach möglichen Zielpersonen gesucht haben.

Auch die rechtsterroristische Gruppe NSU hatte Daten über etwa 10.000 Personen gesammelt. Der Name des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU), der Anfang Juni ermordet worden ist, stand ebenfalls auf dieser Liste.