Nach dem gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sind Berichten zufolge bei mehreren Politikern in Deutschland Morddrohungen eingegangen. Betroffen sind demnach unter anderem die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker sowie der Bürgermeister der westfälischen Stadt Altena, Andreas Hollstein. Beide wurden in der Vergangenheit bereits mit Messern angegriffen. Zuerst hatten Bild und der WDR darüber berichtet.

Die Polizei in Köln bestätigte laut WDR und Bild die Vorfälle, auch, dass Reker die Drohung nach dem gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten erhielt. Auch Hollstein bestätigte, dass er bedroht wird. Er habe in der Vergangenheit immer wieder mal Morddrohungen erhalten. Zuletzt sei am Dienstag eine eingegangen.

Dem WDR zufolge hat das "offenbar (…) einen rechtsextremen Hintergrund und steht im Zusammenhang mit der Tötung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke". Das Büro von Reker habe den Fall nicht kommentieren wollen, heißt in dem Bericht. Die Bild schreibt zum Fall Reker: "Die Polizei geht zurzeit von einer Drohung aus der rechten Szene aus."

Christine Lambrecht - "Rechter Terror darf nie wieder zu Angst führen" Die designierte Justizministerin hat sich zu dem Mord an Walter Lübcke geäußert. Die Tat erinnere an die Mordserie des NSU, sagte Lambrecht bei ihrer Vorstellung. © Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images

Polizeisprecher kann Zusammenhang mit Mord an Lübcke nicht bestätigen


Da neben Reker auch andere Politiker bedroht wurden, hat nach Angaben eines örtlichen Polizeisprechers das Landeskriminalamt Berlin die Fälle übernommen. Vom dem Amt war bisher keine Stellungnahme zu erhalten.

Sowohl Reker als auch Hollstein waren in den vergangenen Jahren zum Ziel von Attentaten geworden. Reker entging 2015 vor ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin nur knapp dem Tod, als ihr ein Rechtsradikaler bei einem Wahlkampftermin mit einem Messer in den Hals stach. Die parteilose Kommunalpolitikerin wurde lebensgefährlich verletzt und musste notoperiert werden. Hollstein wurde im November 2017 in einem Dönerimbiss angegriffen und mit einem Küchenmesser bedroht. Dabei wurde er leicht am Hals verletzt.

45-Jähriger in Untersuchungshaft

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses im hessischen Wolfhagen-Istha niedergeschossen worden. Unter dringendem Tatverdacht sitzt ein 45-Jähriger in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte am Mittwoch mit Blick auf den Mordfall Lübcke Respekt und Schutz für Kommunalpolitiker in Deutschland. Sie seien diejenigen, "die die Kärrnerarbeit unserer Demokratie leisten", sagte Steinmeier beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund. "Sie verdienen nicht nur unser Vertrauen, sie verdienen Respekt, und sie verdienen vor allem Schutz vor jeder Form von Herabwürdigung, Hetze und roher Gewalt."