Die US-Justizbehörden haben nun auch offiziell die Auslieferung von WikiLeaks-Gründer Julian Assange aus Großbritannien beantragt. Das teilte das britische Innenministerium in London mit. Bislang hatte nur ein vorläufiger Antrag vorgelegen. Über eine Auslieferung muss nun die britische Justiz entscheiden.

An diesem Freitag wird es eine weitere Anhörung in dem Fall geben, bei dem die US-Justiz ihre Beweismittel vorlegen will. Eine inhaltliche Auseinandersetzung wird es dann aber nicht geben. Diese erwarten Beobachter wie WikiLeaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson erst in einigen Wochen, gar Monaten. Zunächst gehe es bei dem Termin um Verfahrensfragen, Assange wird möglicherweise vom Gefängnis aus per Video zugeschaltet.

Die USA werfen dem 47-Jährigen vor, der amerikanischen Whistleblowerin Chelsea Manning – damals noch Bradley Manning – geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Insgesamt liegen 18 Anklagepunkte gegen Assange vor. Bei einer Verurteilung in allen Punkten drohen dem gebürtigen Australier 175 Jahre Haft.

Assange auf Krankenstation des Gefängnisses

Assange sitzt seit April im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh im Osten der britischen Hauptstadt. Da sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hat, wurde er inzwischen auf die Krankenstation des Gefängnisses verlegt. Dort erhielt er nach Informationen der britischen Nachrichtenagentur Press Association zuletzt Besuch von seinem Vater und dem chinesischen Dissidenten Ai Weiwei.

In Belmarsh sitzt der Aktivist eine fast einjährige Gefängnisstrafe ab, zu der er Anfang Mai wegen Verstoßes gegen die Auflagen seiner Kaution verurteilt worden war. Zuvor war Assange in der ecuadorianischen Botschaft festgenommen worden, seinem Zufluchtsort für mehr als sieben Jahre. Dort hatte er sich verschanzt, nachdem in Schweden wegen Vergewaltigung gegen ihn ermittelt wurde. Assange wehrt sich bis heute gegen die Vorwürfe. Für ihn sind die Ermittlungen nur ein Vorwand der schwedischen Behörden, um ihn festzunehmen und an die USA auszuliefern. Um dem zu entgehen, hatte er sich in die ecuadorianische Botschaft geflüchtet.

Im Frühjahr entzog ihm dann die neue Regierung in Quito das Asyl. Kurz darauf nahm die Staatsanwaltschaft in Stockholm die Ermittlungen gegen Assange wieder auf.