Mietschulden sind in Ostdeutschland weiter verbreitet als im Westen. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Im vergangenen Jahr wandte sich mit 31 Prozent fast jede dritte überschuldete Person im Osten wegen Mietschulden an eine Schuldnerberatung. In den alten Bundesländern war die Miete bei weniger als einem Fünftel der Schuldner (18 Prozent) der Grund für eine Beratung.

Bei der durchschnittlichen Höhe der Zahlungsrückstände lässt sich ebenfalls ein Unterschied zwischen Ost und West erkennen. Während westdeutsche Mietschuldner im Schnitt mit 768 Euro und damit 1,5 Monatsmieten im Rückstand waren, betrugen die ausstehenden Zahlungen bei überschuldeten Menschen im Osten mit 1.147 Euro 2,7 Monatsmieten. Diese Zahl wird allerdings auch von den unterschiedlichen Wohnkosten beeinflusst, die in Ostdeutschland mit durchschnittlich 420 Euro etwas niedriger sind als im Westen mit 512 Euro. Außerdem ist in Ostdeutschland die Arbeitslosigkeit höher als im Westen. Im Mai lag die Quote im Osten bei 6,3 Prozent, in den alten Ländern bei 4,6 Prozent.

Im bundesweiten Mittel ist ein überschuldeter Mensch mit 870 Euro und damit 1,8 Monatsmieten in Verzug. Allerdings machen Mietschulden im Schnitt nur drei Prozent am Gesamtschuldenanteil überschuldeter Bürgerinnen und Bürger aus.

Miete könnte häufiger zum Grund für Verschuldung werden

Die Zahl könnte aber künftig steigen, da vor allem in Großstädten die Mieten steigen. "Die Belastung durch Mietkosten stellt ein wachsendes Überschuldungsrisiko dar", sagte Christoph Zerhusen, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Miete solle eigentlich nicht mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens betragen. "Wir sehen aber immer häufiger, dass sie 50 Prozent und teilweise sogar mehr ausmacht", so der Experte.

Insgesamt hatten im vergangenen Jahr zwei von zehn überschuldeten Verbraucherinnen und Verbraucher, die bei einer Beratungsstelle Hilfe suchten, Mietschulden. Ihr Anteil hat sich seit 2015 nicht verändert.

Die Ergebnisse der Überschuldungsstatistik beruhen auf Angaben von 559 der insgesamt rund 1.450 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland, wie die Statistikbehörde mitteilte. Die Beratungsstellen stellten anonymisierte Daten von rund 136.000 Beratenen mit deren Einverständnis bereit.