Nach einem Richtungsstreit ist der als gemäßigt geltende Ko-Vorsitzende der nordrhein-westfälischen AfD, Helmut Seifen, mit einem Großteil des zwölfköpfigen Landesvorstandes zurückgetreten. Der zweite Vorsitzende Thomas Röckemann und zwei weitere Vorstandsmitglieder bleiben vorerst im Amt. Mehrere Anträge auf Abwahl der drei Führungsmitglieder erreichten beim vorgezogenen Parteitag in Warburg nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit.

Der eigentlich auf zwei Tage angesetzte Parteitag wurde nach dem Zerfall des Vorstandes nach nur einem Tag beendet. Damit ist auch der von Teilen des Vorstands geforderte komplette Neuanfang des Landesverbands zunächst gescheitert. Der nächste reguläre Parteitag steht Ende des Jahres an. Dann muss der gesamte Vorstand neu gewählt werden. Der nordrhein-westfälische Landesverband ist mit etwa 5.300 Parteimitgliedern der größte AfD-Landesverband.

Seifen und Röckemann liefern sich seit Monaten einen öffentlichen Machtkampf. Seifen gilt als gemäßigt, Röckemann als Sympathisant des nationalkonservativen sogenannten Flügels um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke. Der Flügel wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als "Verdachtsfall" im Bereich Rechtsextremismus eingestuft.

Röckemann: "Endgegner der Ökosozialisten"

Auf dem Parteitag hatte Seifen den Anhängern des Flügels vorgeworfen, die Partei in NRW und bundesweit zu unterwandern und zu spalten. In entscheidenden politischen Fragen handelten Höckes "willfährige Werkzeuge" nicht im Interesse des Landesverbandes, sagte Seifen. "Ihre Loyalität gilt in erster Linie dem Flügel, sagte Seifen. Die AfD dürfe nicht zulassen, dass der stärkste Landesverband zu einem "Satellitenverband" verkomme.

Zugleich kritisierte Seifen die mangelnde Kooperationsbereitschaft Röckemanns – eine pragmatische Arbeit sei mit ihm nicht möglich. Röckemann habe Maßnahmen gegen Mitglieder wegen parteischädigenden Verhaltens verzögert und keines der elf Parteiordnungsverfahren mitgetragen. Wegen der "Machenschaften" der Flügel-Anhänger, die die nordrhein-westfälische AfD bis in die Kreisverbände unterwanderten, sei "der Bestand der Partei in großer Gefahr", sagte Seifen. Die rund 500 Delegierten rief er dazu auf, den gesamten Landesvorstand neu zu wählen.

Röckemann hatte hingegen keine Bereitschaft zum Rücktritt erkennen lassen. Auch eine Neuwahl des kompletten Landesvorstandes lehnte er ab. Stattdessen forderte er die Befürworter einer Neuwahl auf, den Vorstand zu verlassen. Er wolle die freien Plätze im Vorstand "mit guten Leuten besetzen", sagte er. In Deutschland drohe ein "grünes Morgengrauen". "Wir sind die Endgegner, dem sich die Ökosozialisten werden stellen müssen", sagte Röckemann.