Bremen wird aller Voraussicht nach künftig von SPD, Grüne und Linke regiert. Die Parteien haben sich fünf Wochen nach der Bürgerschaftswahl auf einen Koalitionsvertrag verständigt. Das teilten die Unterhändler nach einem stundenlangen abschließenden Treffen mit. Jetzt müssen noch die Parteitage dem Koalitionsvertrag zustimmen. Es wäre die erste rot-grün-rote Koalition und die erste Regierungsbeteiligung der Linken in einem westdeutschen Bundesland.

Die Koalitionsrunde hatte seit dem 12. Juni verhandelt. Der Vertrag soll an diesem Montag bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden. Die Linke entscheidet dann am Donnerstag, SPD und Grüne jeweils am Samstag auf Parteitagen darüber. Bei den Linken muss zudem noch ein bindender Mitgliederentscheid bis 22. Juli abgewartet werden. 

Die Parteien hatten sich bei ihren Verhandlungen für die anstehende vierjährige Legislaturperiode auf einen deutlich verstärkten Klimaschutz, eine Verkehrswende mit dem Ziel einer autofreien Innenstadt bis 2030 sowie auf arbeitsmarktpolitische Programme für Alleinerziehende verständigt. Die Kohlekraftwerke sollen bis 2023 vom Netz genommen und der öffentliche Personennahverkehr ausgebaut werden. 

Die SPD fuhr bei der Wahl am 26. Mai ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Bremen ein. Erstmals seit mehr als 70 Jahren wurde die Partei nicht stärkste Kraft. Im neuen Parlament stellt die SPD 23 statt wie bisher 30 Abgeordnete. Die CDU wurde erstmals stärkste Kraft. Ihre Fraktion zählt künftig 24 Mitglieder.

Die Grünen hatten stark zugelegt und sich nach der Wahl für Verhandlungen über ein rot-grün-rotes Bündnis entschieden. Zuvor hatten sie CDU und FDP einen Korb gegeben und ein Jamaika-Bündnis abgelehnt.