Die Bundesregierung hat im ersten Halbjahr 2018 mindestens 178 Millionen Euro für externe Beraterinnen und Berater ausgegeben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Bundesfinanzministeriums in den 14 Ressorts, die auf Anfrage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhn durchgeführt wurde und der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das Kanzleramt ist in der Aufstellung nicht berücksichtigt.

Laut der Umfrage investierte das Bundesinnenministerium 78,7 Millionen Euro und das Bundesverkehrsministerium 47,7 Millionen Euro in Expertise von außen – mit Abstand am meisten von allen Ministerien. Das Bildungsministerium wendete mit 293.000 Euro am wenigsten Geld auf.

Als einziges Bundesministerium machte das Bundesverteidigungsministerium keine Angaben. Nach Angaben von Bettina Hagedorn, Staatssekretärin im Finanzministerium, ist "die entsprechende Erhebung dort noch nicht abgeschlossen". Die Zahlen würden aber nachgereicht.

Der Einsatz von Beratern im Verteidigungsministerium wird seit einem halben Jahr von einem Untersuchungsausschuss des Bundestags überprüft. Es geht um Vorwürfe von unkorrekter Auftragsvergabe bis hin zu Vetternwirtschaft. Für Linke-Politiker Höhn ist es deshalb "skandalös", dass ausgerechnet aus diesem Ressort keine aktuellen Zahlen kommen. "Erst etabliert Ursula von der Leyen eine zum Teil rechtswidrige Berater-Kultur, die seit Monaten ein Untersuchungsausschuss aufklären muss, und trotzdem ist das Verteidigungsministerium nicht auskunftsfähig. Dies wird sie als Kommissionspräsidentin dem Untersuchungsausschuss erklären müssen."

Das Engagement von Unternehmensberatern und anderen Experten aus der Privatwirtschaft durch die Bundesregierung ist umstritten. Kritikerinnen und Kritiker sagen, der Einkauf von Sachverstand sei zu teuer und angesichts der mehr als 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ministerien auch nicht zwingend notwendig. Zudem wird eine Einflussnahme auf die Regierungsarbeit befürchtet.

Im Februar hatte eine ähnliche Umfrage des Finanzministeriums ergeben, dass es zwischen 2014 und 2017 eine deutliche Steigerung der Ausgaben für Beraterinnen und Berater gegeben hatte. 2014 lagen sie bei 63 Millionen Euro, 2015 waren es 105 Millionen, 2016 stieg die Zahl auf 243 Millionen und 2017 auf 248 Millionen Euro. Für 2018 lagen zum damaligen Zeitpunkt noch keine vollständigen Zahlen vor.

Staatssekretärin Hagedorn wies aber darauf hin, dass es für externe "Beratungs- und Unterstützungsleistungen" keine einheitliche Definition in den einzelnen Ministerien gebe. Deshalb könne nicht von einer ressortübergreifenden Vergleichbarkeit der Angaben ausgegangen werden.