Würden die Standorte der Bundesministerien aus Bonn und Berlin in der Bundeshauptstadt zusammengelegt, ließen sich Hunderttausende Dienstreisen vermeiden: So argumentieren mehrere Bundestagsabgeordnete und erneuern mit dem Argument Klimaschutz die Diskussion um einen vollständigen Umzug der Ministerien nach Berlin.

Der CDU-Haushaltsexperte Eckhardt Rehberg plädierte im MDR dafür, perspektivisch auf einen Komplettumzug der Regierung hinzuarbeiten: "Vielleicht wäre ja der 3. Oktober 2020 – 30 Jahre deutsche Einheit – eine gute Gelegenheit, solch eine Initiative im Deutschen Bundestag zu starten", sagte Rehberg.

Vor wenigen Tagen hatte der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs dem RedaktionsNetzwerk Deutschland gesagt, im Haushaltsausschuss gebe es eine große Mehrheit dafür, den Umzug von Bonn nach Berlin zu beschleunigen. Der Umzug sei nicht nur notwendig, um die Reisen und insbesondere die Flüge der im Ministerium Beschäftigten zu verringern, sondern auch um überhaupt eine gute Regierungsarbeit gewährleisten zu können: "Wer gut regieren will, muss seine Mitarbeiter am Ort haben." Andernfalls seien Austausch und Absprachen nur schwer möglich. Kahrs ist Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss. Zudem sei Bonn wirtschaftlich nicht mehr auf die Regierungsstandorte angewiesen, sagte der SPD-Politiker.

Auch die Linksfraktion im Bundestag hatte sich wiederholt für einen Komplettumzug der Bundesregierung nach Berlin ausgesprochen. Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Linksfraktion, hatte gesagt: "Wir sind für die Zusammenführung der Bundesregierung am Standort Berlin – und zwar aus finanziellen, sozialen und ökologischen Gründen."

Ist es immer notwendig, vor Ort zu sein?

Der FDP-Politiker Lukas Köhler hatte Alternativen ins Gespräch gebracht, die eine Zusammenarbeit zwischen den Standorten Bonn und Berlin erleichtern könnten: Die Flüge von Ministeriumsmitarbeitern zwischen Bonn und Berlin sollten nach Möglichkeit eingeschränkt werden, stattdessen müsse "stärker auf den Einsatz von Videokonferenzen und Onlinetools" gesetzt werden.  

Auch aus der Wirtschaft gibt es Forderungen nach einem vollständigen Umzug aller Bundesministerien nach Berlin. Die Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer Sarna Röser sprach sich dafür aus, das Pendeln zwischen den zwei Städten einzudämmen. "Wenn es die Bundesregierung mit dem CO2-Einsparen ernst meint, sollte sie bei sich anfangen", sagte die Unternehmerin. Insgesamt kämen die Beamten "auf unglaubliche 230.000 Inlandsflüge. Ein Komplettumzug der Ministerien nach Berlin würde diese klimaschädliche Fluganzahl deutlich verringern." Röser zeigte zudem auf, dass es die Digitalisierung gerade in Bürojobs wie denen in Bundesministerien erlaube und erleichtere, ortsunabhängig zu arbeiten.

Im sogenannten Berlin-Bonn-Gesetz ist festgehalten, dass Bonn das zweite politische Zentrum Deutschlands bleiben soll. Sechs Ministerien haben ihren ersten Dienstsitz weiterhin dort: das Bundesministerium der Verteidigung, das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft, das Gesundheitsministerium, die Behörde für Bildung und Forschung, das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie das Bundesumweltministerium. Außerdem haben alle Ressorts einen zusätzlichen Standort in Bonn.

Bonn und Berlin sind rund 500 Kilometer voneinander entfernt.