Der frühere Bundeswirtschaftsminister und langjährige Aufsichtsratsvorsitzende der RAG-Stiftung, Werner Müller, ist im Alter von 73 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Er starb in der Nacht zum Dienstag, wie ein Sprecher des Unternehmens Evonik bestätigte. Vorher hatten mehrere Medien darüber berichtet.

Der parteilose Müller war in der rot-grünen Regierung von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) von 1998 bis 2002 Minister für Wirtschaft und Technologie. Überraschend hatte Schröder Müller vorgeschlagen, nachdem der ursprünglich vorgesehene Quereinsteiger Jost Stollmann kurz vor Abschluss der Koalitionsgespräche auf das Amt verzichtet hatte. Der als zurückhaltend und nüchtern beschriebene parteilose Müller führte sein Ressort nach Beobachtermeinung anfangs eher unauffällig. Nach der von Rot-Grün knapp gewonnenen Bundestagswahl 2002 schied Müller aus der Regierung aus.

Der ehemalige Bundeskanzler Schröder würdigte Müller als "großen Wirtschaftslenker". Müller habe die Spielregeln der Wirtschaft, aber auch der Politik aus eigener Anschauung beherrscht. "Dadurch konnte er Menschen überzeugen und aus Kontrahenten Partner machen." Müller sei etwa für den Ausstieg aus der Steinkohlewirtschaft in Deutschland verantwortlich, sagte Schröder. Außerdem sei er es gewesen, der die Zustimmung der deutschen Energieversorger zum Atomausstieg erreicht habe. Müller habe ihn durch "seine Ausstrahlung, seine Professionalität, seine Klarheit im Denken und Zielstrebigkeit für sich eingenommen", sagte der Altkanzler weiter.

Einsatz für die Bergleute

Im Juni 2003 übernahm Müller den Vorstandsvorsitz der nicht börsennotierten RAG Aktiengesellschaft (früher Ruhrkohle AG) in Essen, die in den Kerngeschäftsfeldern Energie und Immobilien sowie mit der hochsubventionierten Deutschen Steinkohle AG (DSK) vor allem im Bergbau tätig war. Von 2005 bis 2010 war Müller außerdem Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bahn AG. Zudem war er erster Chef des Chemiekonzerns Evonik, der die dafür nötigen Mittel zu großen Teilen erwirtschaftet. 

"Werner Müller hat unschätzbare Verdienste um den deutschen Bergbau und die Bergleute, die ihm persönlich immer besonders am Herzen lagen", teilte der aktuelle RAG-Vorstandschef Peter Schrimpf mit.

Im Februar 2018 hatte Müller überraschend bekannt gegeben, seine Ämter aus gesundheitlichen Gründen zum Mai niederzulegen. "Meine schwere Erkrankung erlaubt es mir leider nicht mehr, meinen Verpflichtungen in der Stiftung und in den Aufsichtsräten weiter nachzukommen", hatte er gesagt. Werner Müller war an Krebs erkrankt.