In der großen Koalition wird über die Kassenfinanzierung von homöopathischen Mitteln diskutiert. Einige Krankenkassen erstatten die Kosten auf freiwilliger Basis, weil sie deren Wirksamkeit an Patientinnen und Patienten anerkennen. Nachdem Frankreich entschieden hat, Homöopathie nicht mehr zu bezahlen, verlangen auch die Ärzte in Deutschland einen Stopp. Kassen sollten die  Globuli-Kügelchen nicht mehr bezahlen dürfen. 

Das findet auch in Union und SPD Anklang. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), sagte den Zeitungen des RedaktionsNetzwerkes Deutschland (RND), es sei "schwer vermittelbar", dass Kosten für Homöopathie teilweise übernommen würden, während an anderer Stelle gespart werden müsse. "Deswegen kann ich mir durchaus ein Ende der Erstattungsfähigkeit vorstellen."

SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar sagte den RND-Zeitungen, sie könne die kürzlich in Frankreich getroffene Entscheidung "absolut nachvollziehen". Denn "die Wirksamkeit homöopathischer Mittel ist nicht nachgewiesen". Sie sehe es deshalb kritisch, dass manche Kassen die Kosten erstatten. Es sei aber wichtig, zwischen Naturheilkunde und Homöopathie zu unterscheiden.

Debatte überzogen?

Aus der Unionsfraktion sind allerdings auch andere Stimmen zu hören. Gesundheitspolitikerin Karin Maag (CDU) wandte sich gegen die Forderungen. Sie verwies im Deutschlandfunk darauf, dass die gesetzlichen Kassen die Erstattung als sogenannte Zusatzleistung übernehmen könnten. "Auf freiwilliger Basis halte ich das für sehr verträglich." Es gelte das Kassenwahlrecht. Wer Homöopathie ablehne, solle eine Kasse wählen, die die Erstattungsfähigkeit nicht in Anspruch nehme.

Die FDP plädiert gegen eine Kostenübernahme und setzt auf Freiwilligkeit. Die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus sagte, jeder, der Homöopathie befürworte, solle sie auch weiter erwerben können. "Aber auf Selbstzahlerbasis."

Der Linke-Politiker Harald Weinberg bezeichnete die Debatte als überzogen. Die Kosten für Homöopathie für die Krankenkassen seien extrem niedrig. Es gebe wichtigere Probleme im Gesundheitswesen, beispielsweise den Pflegenotstand in Krankenhäusern, der zu Komplikationen und vermeidbaren Todesfällen führe. Die Linke hatte die Situation in der Pflege zu einem ihrer wichtigsten Kernthemen gemacht.

Zentralverein homöopathischer Ärzte widerspricht

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte wehrt sich gegen ein Aus der Kostenerstattung. "Ein Verbot der Erstattung homöopathischer Leistungen wäre ein Schritt hin zu einer 'Monokultur' in der Medizin", sagte die Vorsitzende Michaela Geiger. "Wir wünschen uns eine Versorgung nach dem Vorbild des Schweizer Modells."

Dort würden Leistungen der Homöopathie, Naturheilkunde und weiterer Therapiemethoden seit 2017 von der Grundversicherung voll erstattet. In diesem Zusammenhang sei die Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit anders als in Frankreich geprüft worden.