Drei Monate vor der Landtagswahl in Thüringen ist die Linke in einer neuen Umfrage knapp stärkste Kraft. Laut der Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des MDR liegt die Linke bei 25 Prozent. Die CDU liegt mit 21 Prozent hinter der AfD (24 Prozent) – ein historischer Tiefstwert in Thüringen.

Im Vergleich hat die Linke seit einer Umfrage desselben Instituts im März 2019 einen Prozentpunkt dazu gewonnen. CDU und SPD verlieren demnach ganze sieben und drei Prozentpunkte. Den größten Zuwachs seit März 2019 verzeichnet die AfD mit vier Prozentpunkten. Damit könnte sie als zweitstärkste Kraft in das Thüringer Parlament einziehen. Die FDP kam auf 5 Prozent und könnte nach fünf Jahren den Wiedereinzug in den Landtag knapp schaffen.

Die SPD erreichte mit acht Prozent ein einstelliges Ergebnis: ihren bisher schlechtesten Umfragewert in Thüringen. Die Grünen, die zusammen mit Linken und SPD seit 2014 regieren, kamen auf elf Prozent. Das derzeitige rot-rot-grüne Regierungsbündnis von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) erreicht damit 44 Prozent.

Die wichtigsten politischen Themen sind für 28 Prozent der Befragten Bildung, Schule und Ausbildung. 21 Prozent benennen "Probleme, die sich aus der Zuwanderung von Flüchtlingen, ihrer Integration sowie der Asylpolitik ergeben", heißt es bei Infratest. Weitere relevante Themen aus Sicht der Befragten sind demnach Umweltschutz und Klimawandel (16 Prozent), Verkehr und Infrastruktur (14 Prozent) und Themen im Bereich soziale Ungerechtigkeit, Armut und Hartz IV (zwölf Prozent).

Thüringen ist das einzige Bundesland, in dem die Linke mit Bodo Ramelow einen Ministerpräsidenten stellt. Mit 65 Prozent Zustimmung führt er in der Umfrage die Popularitätsliste der Spitzenkandidaten für die Landtagswahl an.

Für die Erhebung hatte Infratest dimap im Zeitraum vom 24. bis 29. Juli 1.001 Menschen telefonisch befragt. In Thüringen wird am 27. Oktober ein neuer Landtag gewählt.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.