Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat im Kosovo persönlich um Alten- und Krankenpfleger für Deutschland geworben. Er traf in der Hauptstadt Pristina auch Pflegeschülerinnen und -schüler und gab ihnen Auskunft über Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland. Außerdem unterzeichnete der Minister mit seinem Amtskollegen Uran Ismajli eine Vereinbarung, in der sich Deutschland und das Kosovo auf eine stärkere Zusammenarbeit bei der Gesundheitspolitik festlegen.

In Deutschland fehlen mindestens 50.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern, Heimen und ambulanten Diensten. Daher sollen es Fachkräfte aus dem Kosovo künftig einfacher haben, in Deutschland zu arbeiten – dafür müssten ihre Berufsabschlüsse unkomplizierter in Deutschland anerkannt werden. Im Gegenzug will Deutschland die Republik Kosovo beim Aufbau eines Gesundheitssystems unterstützen. Auch bei der Ausbildung von Fachkräften im Gesundheitswesen wollen beide Länder stärker zusammenarbeiten.

Von der Zusammenarbeit würden beide Länder profitieren, twitterte das Bundesgesundheitsministerium: "In Deutschland brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte, auch aus dem Ausland. Wir können die Republik Kosovo beim Aufbau der gesetzlichen Krankenversicherung unterstützen." Die Vereinbarung mit dem Kosovo solle außerdem als Vorlage dienen für ähnliche Projekte mit anderen Ländern.

Fehlen die Fachkräfte dann im eigenen Land?

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) begrüßte die Initiative, betonte aber, dass sich in Zukunft auch die Probleme in den Botschaften verringern müssten und die Visaverfahren massiv beschleunigt werden sollten. Oft scheitere das Anwerben von Pflegefachkräften aus dem Kosovo daran, dass Arbeitsvisa monatelang nicht ausgestellt werden. Der bpa ist nach eigenen Angaben die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland – er fungiert auch als Arbeitgeberverband in der Pflege.

Vor allem in der Altenpflege ist der Fachkräftemangel groß. Im Schnitt dauert es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 183 Tage, bis eine Stelle für eine examinierte Pflegekraft wieder besetzt werden kann. Viele Häuser versuchen daher, auch Pflegerinnen und Pfleger aus dem Ausland nach Deutschland zu holen.

Erst kürzlich hatten der Gesundheitsminister, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sowie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) die Ergebnisse der Konzertierten Aktion Pflege vorgestellt. Neben der Anwerbung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Ausland soll künftig auch die Bezahlung verbessert werden. Ein Tarifvertrag soll zwischen der Gewerkschaft ver.di und den Arbeitgeberverbänden ausgehandelt werden und dann für die gesamte Altenpflege für allgemeinverbindlich erklärt werden. Im Gespräch sind aber auch Lohnuntergrenzen für die Pflegebranche.

Im Kosovo gebe es sehr viele junge arbeitslose Menschen, sagte Spahn nun. Zugleich bilde das Land über den eigenen Bedarf hinaus aus. Es gehe also nicht darum, anderen Ländern Pflegekräfte wegzunehmen. Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus (CDU), begrüßte die Bemühungen Spahns im Kosovo. Er räumte im ZDF aber ein, dass die Pflegekräfte sehr wohl in dem osteuropäischen Land fehlen würden. Ob die Pflegekräfte dauerhaft in Deutschland bleiben, hängt Westerfellhaus zufolge davon ab, ob sie wertschätzend empfangen und gut eingearbeitet werden. Außerdem seien gute Sprachkenntnisse entscheidend für eine gelingende Integration.