Wer tut sich das noch an? Der SPD-Vorsitz ist vakant, aber der unwürdige Abgang von Andrea Nahles und Martin Schulz aus diesem Amt ist vielen noch in guter Erinnerung. Die SPD ist in einer historischen Krise, die bisherige Volkspartei bewegt sich in den Umfragen Richtung 10 Prozent. Viele Genossen wollen raus aus der großen Koalition, haben aber Angst vor dem, was danach folgt.

Der oder die neue(n) Vorsitzende(n) werden die SPD zusammenhalten und ihr Orientierung geben müssen. Auch deshalb dürfen nun erstmals alle 400.000 Parteimitglieder mitentscheiden, wer es wird. Noch bis zum 31. August können sich Einzelbewerber und Kandidatenteams um den Chefsessel im Willy-Brandt-Haus in Berlin melden. Allzu groß ist das Interesse allerdings bisher nicht.

Vor allem die bisherigen Parteipromis halten sich auffallend zurück: Vizekanzler Olaf Scholz sagte, er habe als Finanzminister schon genug zu tun, Manuela Schwesig will sich erst mal auf ihre Aufgabe als Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern konzentrieren. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil ist sich auch fast einhundert Prozent sicher, dass er nicht antritt. Familienministerin Franziska Giffey schweigt hartnäckig zu ihren Ambitionen und ist abgetaucht. Und Gesine Schwan, ehemalige Kandidatin um das Amt der Bundespräsidentin und Mitglied der Grundwertekommission der SPD, sucht noch einen geeigneten Partner – denn ein Team für den SPD-Vorsitz gilt vielen Genossen als die beste Alternative. Einige andere haben sich schon aus der Deckung getraut und Interesse bekundet:

Bewerber um den SPD-Vorsitz

  • Olaf Scholz: 61 Jahre alt, Jurist, Bundesfinanzminister, Vizekanzler

    Olaf Scholz
    • Ambivalent zur GroKo
    • Moderater Linkskurs
    • Tritt an im Team mit: ---

    Mit Olaf Scholz zeigt sich der erste Kandidat aus dem obersten Führungskreis der Partei bereit für eine Kandidatur. Als Vizekanzler gehört Scholz zu dem Teil der SPD, der sich im Mitgliederentscheid für die große Koalition aussprach. Ob die SPD die gesamte Wahlperiode dabei bleibt, machte Scholz von der beschlossenen Halbzeitbilanz abhängig, bei der die Mitglieder der Partei mitreden sollen. Eine weitere schwarz-rote Koalition nach 2021 lehnt er ab. Scholz fordert einen deutlich höheren Mindestlohn und eine Rentengarantie bis 2040. Eigentlich wollte Scholz nicht kandidieren. In seiner Position als Vizekanzler und Finanzminister hielt er das für “unangemessen”, außerdem habe er für den Parteivorsitz neben seinen anderen Ämtern zu wenig Zeit. Derzeit sucht er noch nach einer Tandempartnerin, mit der er gemeinsam die Partei führen könnte.

  • Gesine Schwan: 76 Jahre alt, Politologin, ehemalige Bundespräsidentschaftskandidatin

    Gesine Schwan
    • Ambivalent zur GroKo
    • Linkere SPD
    • Umweltpolitik
    • Tritt an im Team mit: Ralf Stegner

    Gesine Schwan ist weit über die Parteigrenzen hinaus bekannt. Für einen Generationenwechsel in der Partei kann sie nicht eintreten: Seit fast 50 Jahren ist sie Mitglied der Partei, zweimal bewarb sie sich erfolglos für das Amt der Bundespräsidentin. Schwan kommt aus einer Familie, die sich im NS-Widerstand engagiert hatte. Jetzt will sie die Krise ihrer Partei analysieren, erklären und überwinden. Eine Trendwende könne nur erreicht werden, wenn die SPD visionärer denke und sich auf ihre Grundwerte berufe: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Schwan kämpft für Regierungsmehrheit in einem Linksbündnis und will dafür auch nach Kompromissen mit der Linken suchen. Eine Einzelperson werde sich niemals an der Spitze der SPD halten können, sagt sie. Die Partei könne ihre Aufgaben nur im Team meistern – in den Augen von Schwan ist das auch der Grund für das Scheitern von Ex-Parteichefin Andrea Nahles. Für die Stellung der Partei in der großen Koalition fordert sie mehr Eigenständigkeit – Anfang 2018 unterzeichnete sie den Aufruf für Koalitionsverhandlungen mit der Union.

  • Ralf Stegner: 59 Jahre alt, stellvertretender SPD-Parteichef, ehemaliger Finanz- und Innenminister in Schleswig-Holstein

    Ralf Stegner
    • GroKo-Gegner
    • Linkere SPD
    • Tritt an im Team mit: Gesine Schwan

    37 Jahre Politikerfahrung bringt Ralf Stegner in seine Kandidatur mit ein: In Kiel war er Innen- und Finanzminister und Vorsitzender der SPD in Schleswig-Holstein. Seit 2014 ist er einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Partei. Stegner fordert von der Partei mehr Selbstbewusstsein, eine klare Haltung gegen rechts und mehr Einsatz für soziale Gerechtigkeit. Die Zukunft der großen Koalition dürfe weder davon abhängen, um jeden Preis mitregieren zu wollen, noch von der Sehnsucht nach der Opposition. Stegner ist dauerpräsent und angriffslustig, er twittert gegen die AfD, gegen die CDU und hat sich sogar zu einem Vergleich von CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer mit Kim Jong Un hinreißen lassen. Von einigen Mitgliedern der SPD wurde Stegners Kandidatur als "Kassengift für die Wahlchancen" beschrieben. Zu unbeliebt beim Volk und zu egoistisch sei er, alles andere als ein Sympathieträger.

  • Boris Pistorius: 59 Jahre alt, Jurist, Innenminister in Niedersachsen, Vorstandsmitglied SPD

    Boris Pistorius
    • Ambivalent zur GroKo
    • Moderater Linkskurs
    • Tritt an im Team mit: Petra Köpping

    Pistorius ist seit mehr als vierzig Jahren Mitglied der Partei und gilt als Experte für Innen- und Sicherheitspolitik. Der Jurist war Teil des Wahlkampfteams von Ex-Kanzlerkandidat Martin Schulz. In der SPD ist er beliebt und wird für sein Selbstbewusstsein, seine politische Leidenschaft und seine Scharfzüngigkeit geschätzt. Kritik an der Union äußerte Pistorius vor allem am Umgang von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mit Ex-Verfassungschef Hans-Georg Maaßen und in der Flüchtlingspolitik, die für ihn aus "Worthülsen und Symbolpolitik" bestand. Die Zukunft der großen Koalition sieht er kritisch, schließt aber nicht aus, dass das Bündnis bis zur Wahl 2021 halten kann. Pistorius will entschlossener gegen terroristische Gefährder vorgehen, die Bundespolizei stärken und fordert die Einführung einer Polizeibehörde auf EU-Ebene.

  • Petra Köpping: 61 Jahre alt, Ministerin für Gleichstellung und Integration in Sachsen

    Petra Köpping
    • Ambivalent zur GroKo
    • Moderater Linkskurs
    • Tritt an im Team mit: Boris Pistorius

    In der SPD steht niemand so sehr für Integration und Ostdeutschland wie Petra Köpping. Die Ministerin hat sich damit eine starke Stellung in der Partei erkämpft. Im Januar 2019 veröffentlichte sie eine Streitschrift mit dem Titel "Integriert doch erst mal uns!", forderte einen verstärkten innerdeutschen Dialog zwischen Ost und West und wirbt für eine bundesweite Kommission, die das "Unrecht der frühen Nachwendezeit" aufarbeitet. Köpping steht für eine Abkehr der SPD von der Agenda-Politik und Hartz IV. Den Rücktritt von Andrea Nahles an der SPD-Spitze bezeichnete sie als “richtig, wichtig und notwendig”.

  • Karl Lauterbach: 56 Jahre, Arzt, Gesundheitsexperte der SPD

    Karl Lauterbach
    • GroKo-Gegner
    • Linkere SPD
    • Umweltpolitik
    • Tritt an im Team mit: Nina Scheer

    Karl Lauterbach, der Mann mit der Fliege, ist seit fast 14 Jahren Bundestagsabgeordneter und das moralische Gewissen der SPD: Er engagiert sich für eine Abschaffung der Zweiklassenmedizin und mehr soziale Gerechtigkeit. Als Gesundheits- und Pflegeexperte ist er vielen Deutschen bekannt, aber ein führendes Parteiamt hatte er nie inne. Das soll sich nun ändern. Lauterbach, der mit Andrea Nahles befreundet ist, hofft bei seiner Bewerbung gemeinsam mit der Umweltpolitikerin Nina Scheer auf viele Stimmen der einfachen SPD-Mitglieder. Die SPD müsse künftig Soziales und Umweltfragen mehr miteinander verknüpfen, deutlich linker werden, finden beide. Und sie bewerben sich mit einer klaren Ansage: "Schnell raus aus der großen Koalition". Lauterbach plädiert zudem für mehr Härte gegenüber Kriminellen. Die Bürger vor allem in ärmeren Stadtteilen wünschten sich mehr Sicherheit, so seine Analyse.

  • Nina Scheer: 47 Jahre, Juristin und Politologin, seit 2013 Bundestagsabgeordnete, Umweltpolitikerin

    Nina Scheer
    • GroKo-Gegner
    • Linkere SPD
    • Umweltpolitik
    • Tritt an im Team mit: Karl Lauterbach

    Die Tochter des verstorbenen linken SPD-Idols Hermann Scheer aus Bremen ist bisher einer größeren Öffentlichkeit unbekannt. "Sozial-ökologisch klar", ist das Motto, das sich die Umweltpolitikerin Scheer und ihr Kompagnon, der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, für ihre gemeinsame Bewerbung überlegt haben. Scheer, die auch in der Grundwertekommission der SPD sitzt, will, dass ihre Partei in Zukunft mehr über die “Endlichkeit von Ressourcen” spricht. Die Parteilinke war schon nach der letzten Bundestagswahl gegen die Neuauflage der großen Koalition und will jetzt schnell raus aus dem Bündnis. “Unsere Politik muss wieder schlicht nichts anderes als sozialdemokratisch sein und darf nicht immerfort für einen hohen Preis dem Pragmatismus bis zur Selbstverleugnung ausgeliefert werden”, schreiben beide in ihrem Bewerbungsbrief.

  • Christina Kampmann: 38 Jahre, Europawissenschaftlerin, Standesbeamtin, Ex-Familienministerin NRW und Landtagsabgeordnete

    Christina Kampmann
    • Ambivalent zur GroKo
    • Moderater Linkskurs
    • Umweltpolitik
    • Bürgerbeteiligung
    • Tritt an im Team mit: Michael Roth

    Mit 35 Jahren wurde Christina Kampmann Ministerin für Familie, Frauen und Kultur im Kabinett von SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in NRW. Aus ihrer anderthalbjährigen Amtszeit sind zwar keine politischen Coups übermittelt, aber seitdem gilt sie auch in Berlin als Nachwuchsreserve. Seit die SPD in Düsseldorf in der Opposition ist, ist Kampmann einfache Landtagsabgeordnete mit Schwerpunkt Digitalisierung und Europa. Sie würde die SPD gerne als die Partei positionieren, die Konzepte für die Zukunft der Arbeit und Arbeiter in von der Digitalisierung bedrohten Jobs hat. Kampmann wuchs auf einem Biobauernhof auf, will Ökologie und Soziales versöhnen. Als Parteivorsitzende will sie die Wählerlisten der SPD für Parteilose öffnen und monatliche “Zuhör”-Stunden im ganzen Land veranstalten. Zur Zukunft der großen Koalition sagt sie: Das sei nicht das einzige Problem der SPD, die Mitglieder sollten darüber entscheiden. Gemeinsam mit ihrem Mitstreiter Michael Roth will sie eine weltoffene Partei und eine humane Flüchtlingspolitik. Die SPD solle als eine linke Volkspartei erkennbar sein, mit Sozialismus kann Kampmann wenig anfangen.

  • Michael Roth: 48 Jahre, Staatsminister im Auswärtigen Amt, Diplom-Politologe und seit 1998 Bundestagsabgeordneter aus Hessen

    Michael Roth
    • Ambivalent zur GroKo
    • Moderater Linkskurs
    • Umweltpolitik
    • Bürgerbeteiligung
    • Tritt an im Team mit: Christina Kampmann

    "Aufstieg durch Bildung", das ist der sozialdemokratische Glaubenssatz des Sohnes eines Bergmanns. Roth, Jurist und seit dem 28. Lebensjahr direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für die SPD, arbeitet derzeit als Staatssekretär im von Heiko Maas geführten Außenministerium, mit Zuständigkeit für die Europapolitik. Er wünscht sich eine moderne und international aufgestellte SPD, gemeinsam mit Kampmann plädierte er aber auch für eine Quote für Kommunalpolitiker in der SPD – um die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Beide Kandidaten betonen, sie hofften noch auf Bewerbungen von "Schwergewichten" in der Partei. Er ist wie Kampermann eher Vertreter eines Mittekurses der SPD, wünscht sich keinen dezidierten Linksruck: "Wir wollen eine SPD, die sich weit öffnet für alle Schichten und Berufsgruppen, die attraktiv ist für Jung und Alt, bei Frauen und Männern, in Stadt und Land, hier Geborenen und zu uns Gekommenen”, schreiben die beiden in ihrem Bewerbungsschreiben. Den SPD-Vorsitz sieht Roth als Vollzeitjob: Bei einer Wahl will er das Amt als Staatsminister für Europa aufgeben.

  • Simone Lange: 42 Jahre, Oberbürgermeisterin von Flensburg, Verwaltungswirtin

    Simone Lange
    • GroKo-Gegner
    • Linkere SPD
    • Umweltpolitik
    • Tritt an im Team mit: Alexander Ahrens

    Es ist bereits ihre zweite Bewerbung um den SPD-Vorsitz. Im April 2018 trat die Flensburgerin als bis dato weitgehend unbekannte Kandidatin gegen Andrea Nahles an, erzielte ein Achtungsergebnis von 27 Prozent. Lange sieht sich als Kandidatin der SPD-Basis. Sie will raus aus der großen Koalition und die SPD programmatisch deutlich nach links schieben. Sie vertritt die Auffassung, dass die SPD sich für ihre Hartz-IV-Reformen bei den Wählern entschuldigen solle, und will in der Sozialpolitik eine "Umverteilung" von Reich nach Arm. Gemeinsam mit dem Bautzener Bürgermeister Alexander Ahrens will sie den Mitgliedern außerdem ein klar feministisches Angebot machen. Mit der umstrittenen Reform des Abtreibungsrechts zum Beispiel habe die große Koalition die Frauen alleingelassen.

  • Alexander Ahrens: 53, Oberbürgermeister von Bautzen, Jurist und Sinologe

    Alexander Ahrens
    • GroKo-Gegner
    • Linkere SPD
    • Tritt an im Team mit: Simone Lange

    Mit einer schwachen SPD und Ostdeutschland kennt sich Alexander Ahrens aus. Er ist seit 2015 Oberbürgermeister in Bautzen in Ostsachsen. 32 Prozent der Bürger wählten bei der Europawahl im Mai hier die Rechtspopulisten, nur 6 Prozent die SPD. Gemeinsam mit der Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange will Ahrens das ändern. Ahrens trat 2001 aus der SPD aus und 2017 wieder ein, weil er als "innerparteilicher Kritiker" die Partei vorantreiben will, statt nur zu meckern, wie er sagt. Er will über den Preis der Hartz-IV-Reformen für die SPD sprechen, liebäugelt mit einem bedingungslosen Grundeinkommen. Als Kommunalpolitiker hätten er und Simone Lange den unabhängigen, bürgernäheren Blick auf die Politik. Mit AfD-Wählern will Ahrens das Gespräch suchen und ihnen klarmachen, was "das bedeutet, wenn man so eine Partei wählt". Die große Koalition hält Ahrens für einen Fehler.

  • Robert Maier: 39 Jahre, Internetunternehmer, Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums

    Robert Maier
    • Ambivalent zur GroKo
    • Moderater Linkskurs
    • Strengere Migrationspolitik
    • Tritt an im Team mit: ---

    Robert Maier traut sich was. Während die SPD-Spitze für ein Team auf dem Parteivorsitz wirbt, tritt er als Einzelkandidat an und will die Partei eher wirtschaftsnah statt links positionieren. Er fordert von seiner SPD eine offene Diskussion über die Themen Sicherheit und Zuwanderung, Kritiker der Zuwanderung sollten nicht in "die rechte Ecke" gestellt werden, fordert er. Deutschland sei nur begrenzt aufnahmefähig. Maier fordert außerdem: Deutschland brauche mit Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung wieder mehr Erfindergeist. Entschieden wendet er sich gegen "einen Linksruck der SPD mit Kollektivierungs- und Enteignungsplänen". In die SPD sei er wegen der Agenda-2010-Reformen von Gerhard Schröder eingetreten, weil seine Partei damals bewiesen habe, dass sie nach Überzeugung handele und nicht, "weil etwas gerade populär ist". Zur Zukunft der großen Koalition hat er sich bisher nicht festgelegt.

  • Hans Wallow: 79, Ex-Bundestagsabgeordneter und Beamter

    Hans Wallow
    • Linkere SPD
    • Tritt an im Team mit: ----

    Der Rheinland-Pfälzer Wallow sieht seine SPD als einen Tanker, der "fest im Treibsand" sitzt und den er gerne wieder herausziehen möchte. Dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten liegt nach eigenen Angaben eine humane Migrationspolitik sehr am Herzen: Wenn die Koalition die Verteidigungsausgaben erhöhen wolle, müsse sie auch die Entwicklungshilfeausgaben erhöhen, sagt Wallow und verweist auf den Koalitionsvertrag. Er engagiert sich für mehr Gerechtigkeit, rechnet der eigenen Bewerbung aber offenbar nicht allzu große Chancen aus: Dass ein Kandidat nicht nur die Unterstützung eines Ortsvereins, sondern von mehreren Unterbezirken brauche, um offiziell für das Rennen um den SPD-Vorsitz zugelassen zu werden, sei unfair, betont er. So würden weniger erfahrene Genossen oder eben ein "lebenserfahrener Pensionär" von dem Bewerbungsverfahren ausgeschlossen.

In der Parteiführung wird noch mit weiteren Kandidaturen bis Ende August gerechnet. Wer offiziell als Bewerber zugelassen werden will, braucht die Unterstützung von mindestens fünf SPD-Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband. Unter anderem wegen der Sommerferienzeit hat bisher nur das Duo Kampmann/Roth die Kriterien erfüllt. Alle anderen müssen dies in den kommenden Wochen tun.

Es wird noch dauern, bis die neuen Parteivorsitzenden der SPD feststehen: Alle offiziell akzeptierten Bewerber werden sich ab Anfang September in 23 Regionalkonferenzen in ganz Deutschland den Fragen der SPD-Basis stellen, ab Mitte Oktober können die rund 400.000 SPD-Mitglieder dann über ihre Favoriten abstimmen. Wer die SPD fortan führen wird, wird am 26. Oktober bekannt gegeben. Wenn keine Kandidatin, kein Kandidat oder kein Kandidatenteam über 50 Prozent der Stimmen bekommt, findet eine Stichwahl statt. Anfang Dezember muss dann ein Parteitag der SPD den oder die Gewinner noch formal wählen.

Auch die Union wird dann genau hinschauen, wer der Sieger ist. Denn viele der Kandidatinnen und Kandidaten haben ihren Wählern bereits versprochen, sobald wie möglich aus der großen Koalition auszusteigen.