Der deutsche Staat hat seine Schulden im vergangenen Jahr weiter deutlich reduziert. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte standen Ende Dezember 2018 zusammen mit 1.916,6 Milliarden Euro im Minus, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das waren 2,7 Prozent oder 52,5 Milliarden Euro weniger als ein Jahr zuvor. Die Pro-Kopf-Verschuldung lag damit bei 23.124 Euro.

Der Staat profitierte dabei von einer starken Binnenkonjunktur mit Rekordbeschäftigung und höheren Löhnen. Dadurch legen Steuer- und Beitragsaufkommen zu. Gleichzeitig entlasten niedrige Zinsen auf der Kostenseite.

"Auf den ersten Blick ist der beobachtete Rückgang der öffentlichen Verschuldung positiv, weil übermäßige Verschuldung das Risiko einer Schuldenkrise mit sich bringt", sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf, Sebastian Dullien. "Was man an dieser Statistik allerdings nicht sieht: Der Fokus der Finanz- und Wirtschaftspolitik hat auch massive negative Folgen für die deutsche Wirtschaft mit sich gebracht, denn der Rückgang der Verschuldung ist durch schwache öffentliche Investitionen erkauft."

Die Folge seien marode Straßen, Brücken und Wasserwege, unzureichende Bahninfrastruktur und Kommunikationsnetze. "Die schlechte Infrastruktur bedeutet unnütze Kosten für die deutschen Unternehmen, gefährdet den Standort Deutschland und belastet künftige Generationen", kritisierte Dullien.

Starker Schuldenrückgang bei der Sozialversicherung

Der Bund senkte seine Verbindlichkeiten 2018 um 2,4 Prozent auf 1.213,3 Milliarden Euro, die Länder um 2,7 Prozent auf 570,5 Milliarden Euro. "Bis auf Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein konnten alle Länder ihre Verschuldung abbauen", hieß es. Bei Schleswig-Holstein und Hamburg waren Schuldenaufnahmen im Zusammenhang mit dem Verkauf der HSH Nordbank ein wesentlicher Grund dafür. Den höchsten Abbau meldeten Bayern (-13,9 Prozent), Sachsen (-9,4) und Thüringen (-7,7).

Der Schuldenstand der Gemeinden sank um 5,0 Prozent auf 132,8 Milliarden Euro. "Mit Ausnahme von Baden-Württemberg und Niedersachsen konnten die Gemeinden und Gemeindeverbände aller Länder ihre Schuldenstände reduzieren", so das Bundesamt. Starke Rückgänge gab es in Sachsen (-9,3 Prozent) und Thüringen (-7,6). Noch größer war der Rückgang in Hessen mit 26,5 Prozent. Hier übernahm die Hessenkasse weitere Kassenkredite von Kommunen, die nicht mehr in der Schuldenstatistik nachgewiesen werden.

Die Sozialversicherung stand am Jahresende mit 127 Millionen Euro im Minus. Dies waren 71 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. "Grund für diesen starken Rückgang waren außerordentlich hohe Kredittilgungen der Krankenkassen", hieß es zur Begründung.