Die Hilfsorganisation Oxfam wirft deutschen Supermärkten vor, nicht ausreichend für die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten bei ihren Lieferanten zu sorgen. "Leid, Ausbeutung und Diskriminierung sind in den Lieferketten deutscher Supermärkte an der Tagesordnung", teilte Oxfam bei der Vorstellung des Supermarkt-Checks 2019 mit. Die Supermärkte müssten ihre "starke Marktposition nutzen, um den Missständen ein Ende zu setzen", forderte Oxfam.

Die Organisation hatte zum zweiten Mal Supermärkte in Deutschland, Großbritannien, den USA und den Niederlanden und deren Umgang mit Menschenrechten untersucht. Dabei betrachtete Oxfam die Kategorien Transparenz, Rechte von Arbeitern, Umgang mit Kleinbauern sowie Frauenrechte und legte die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte zugrunde.

Die Daten für ihre Bewertung holten sich die Oxfam-Mitarbeiter aus öffentlich zugänglichen Informationen in Nachhaltigkeitsberichten und von Websites, auf denen die Unternehmen ihre Handlungsgrundsätze, Projekte und Maßnahmen beschreiben. Die tatsächliche Praxis der Supermärkte und einzelne Fälle von Menschenrechtsverletzungen in Anbauländern überprüfte Oxfam nicht.

Deutsche Supermärkte schneiden besonders schlecht ab

In einigen Bereichen konnten sich die Supermärkte leicht verbessern. Allerdings habe kein deutscher Markt mehr als 20 Prozent der möglichen Punkte in der Gesamtwertung erreicht, teilte Oxfam mit. Die Supermärkte machten "Trippelschritte, wo sie eigentlich zum Sprint ansetzen müssten". Damit nähmen Aldi, Edeka, Lidl und Rewe in Kauf, "dass wirtschaftliche Ausbeutung und Leid Zutaten vieler Lebensmittel sind, die wir im Supermarkt kaufen".

Mit 19 Prozent aller möglichen Punkte schloss Aldi Süd von allen deutschen Märkten am besten ab – eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegt der Discounter vor seinen Konkurrenten Rewe (13 Prozent) und Lidl (9 Prozent). Mit nur einem von 100 Prozent landete Edeka auf dem letzten Platz. "Umgerechnet in Schulnoten würde Aldi Süd mit mangelhaft abschneiden, alle anderen würden mit ungenügend durchfallen", so Oxfam.

International liegen die Deutschen Supermärkte demnach eher im hinteren Bereich. Die besten Ergebnisse erreichte die britische Supermarktkette Tesco (38 Prozent), Walmart aus den USA landete mit 23 Prozent auf den dritten Platz.

Edeka kritisiert Supermarkt-Check als "nicht wissenschaftlich"

Edeka, das von allen deutschen Supermärkten am schlechtesten abschnitt, kritisierte die Bewertung durch Oxfam als intransparent und nicht nachvollziehbar. "Es handelt sich hier um eine Kampagne und nicht um eine wissenschaftlich-objektive Studie", sagte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Edeka engagiere sich beim Aufbau von Strukturen, um entlang der gesamten Lieferkette Sozialstandards einzuführen und zu kontrollieren. Weiter erklärte das Unternehmen, es habe 2014 gemeinsam mit der Umweltorganisation WWF ein Projekt zum nachhaltigeren Bananenanbau gestartet. Dadurch sei der Pestizideinsatz innerhalb von zwei Jahren um knapp ein Viertel gesunken.

Auch Rewe, Lidl, Aldi Nord und Süd teilten mit, dass ihnen die Einhaltung von Menschenrechten in ihren Lieferketten wichtig sei. Ein Sprecher von Aldi Nord erklärte, das Unternehmen nehme die Ergebnisse des Oxfam Supermarkt-Checks sehr ernst. "Wir sehen NGOs in diesem Zusammenhang als Impulsgeber und Dialogpartner", sagte er.

Oxfam fordert faire Preise und faire Bezahlung

Oxfam forderte die deutschen Supermärkte auf, Informationen über ihre Lieferketten, Einkommensverhältnisse und geschlechterspezifische Lohnunterschiede offenzulegen. Außerdem sollten die Märkte mit lokalen Organisationen und Gewerkschaften gegen Menschenrechtsverletzungen vorgehen. Des Weiteren rief Oxfam dazu auf, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern faire Preise zu bezahlen und die Löhne auf ein existenzsicherndes Niveau anzuheben.