Das Verteidigungsministerium und die ihm unterstellten Behörden haben im ersten Halbjahr dieses Jahres fast genauso viel Geld für externe Beratung und Unterstützung ausgegeben wie alle anderen 13 Ministerien zusammen. Die Kosten belaufen sich auf 155 Millionen Euro, teilte das Ministerium in einer Antwort auf die Anfrage des Linkenabgeordneten Matthias Höhn mit. Die anderen Ministerien gaben demnach im gleichen Zeitraum für externe Leistungen zusammengerechnet insgesamt 178 Millionen Euro aus.

Als Erklärung für die hohen Ausgaben gab der Parlamentarische Verteidigungsstaatssekretär, Thomas Silberhorn, wachsende Herausforderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung an. Demzufolge entfielen 109 Millionen Euro allein auf den IT-Dienstleister der Bundeswehr, der 1.200 Liegenschaften der Truppe betreut.

Das Finanzministerium hatte auf Anfrage Höhns bereits im Juli die Ausgaben der einzelnen Ressorts für externe Berater ermittelt. Das Verteidigungsressort hatte aber zunächst keine Angaben gemacht. Die nun veröffentliche Zahl zeigt, dass das Wehrressort mit 155 Millionen Euro Ausgaben klar vor dem Innenministerium mit 78,7 Millionen Euro und dem Verkehrsministerium mit 47,7 Millionen Euro liegt. Am wenigsten gab das Bildungsministerium aus: Es benötigte nur 293.000 Euro für Berater.

Das Finanzministerium hatte damals aber mitgeteilt, dass es für externe "Beratungs- und Unterstützungsleistungen" keine einheitliche Definition gebe. Aus diesem Grund könne "nicht von einer ressortübergreifenden Vergleichbarkeit der Angaben ausgegangen werden".

Untersuchungsausschuss prüft Beraterverträge

Das Engagement von Unternehmensberatern und anderen Experten von außen durch die Bundesregierung ist umstritten. Aus Sicht von Kritikern ist der Einkauf von Sachverstand zu teuer und angesichts der mehr als 20.000 Mitarbeiter in den Ministerien auch nicht zwingend notwendig. Zudem befürchten sie einen zu großen Einfluss auf die Regierungsarbeit.

Der Einsatz von externen Beratern im Verteidigungsministerium wird seit einem halben Jahr von einem Untersuchungsausschuss des Bundestags überprüft. Es geht um Vorwürfe von unkorrekter Auftragsvergabe bis hin zu Vetternwirtschaft. Wahrscheinlich wird die gerade ausgeschiedene Verteidigungsministerin und künftige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auch noch vom Ausschuss befragt.

Der Linkenpolitiker Höhn nannte die Ausgaben des Verteidigungsministeriums für externe Berater "skandalös". "Frau von der Leyen hat die Bundeswehr zu einem El Dorado für externe Berater gemacht", sagte er. "Nun stellt sich die Frage, ob Annegret Kramp-Karrenbauer die Goldgräber wieder nach Hause schicken wird."